Videos

Nachrichten

18.02.2016

Aktuelles aus dem Verlag, Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

DAK-Gesundheit legt AMNOG-Report 2016 vor

Weit über 30 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr für Arzneimittel ausgegeben. Dabei hat nahezu jedes zweite neue Arzneimittel – 60 von insgesamt 134 - keinen bescheinigten Zusatznutzen für die Patienten. Ein Grund für diese problematische Entwicklung: Die offiziellen Informationen zur Nutzenbewertung kommen nicht bei den Ärzten in der Praxis an, nur knapp die Hälfte der befragten Mediziner informiert sich regelmäßig über die Ergebnisse der Nutzenbewertung. Das sind zentrale Ergebnisse des AMNOG-Report 2016, den die DAK-Gesundheit in Zusammenarbeit mit Professor Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom an der Universität Bielefeld und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung im Gesundheitswesen, durchgeführt hat. Ein Jahr nachdem die Ergebnisse der Nutzenbewertung veröffentlicht wurden, steigen die Verordnungszahlen von Medikamenten ohne Zusatznutzen danach genau so stark wie die von Arzneimittel mit Zusatznutzen. Im Durchschnitt betrug der Anstieg 14,7 bzw. 14,2 Prozent. Die Nutzenbewertung bleibt scheinbar für die Verordnungsentwicklung folgenlos. "Das AMNOG ist in seinen Grundzügen sinnvoll. Doch die durch das Gesetz erhofften Spareffekte sind begrenzt. Deshalb ist eine Reform notwendig", fordert Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit. "Ein Zusatznutzen im Sinne des Verfahrens entspricht nicht zwangsläufig einem Zusatznutzen im Sinne der Versorgung", resümiert Professor Wolfgang Greiner. "Denn bei der Prüfung werden derzeit für die Versorgung relevante Faktoren wie zum Beispiel die Darreichungsform nicht gewertet. Diese sind aber für die verordnenden Ärzte und ihre Patienten mitunter entscheidend, beispielsweise ob Injektionen notwendig sind oder ob ein Wirkstoff per Tablette eingenommen wird. Deshalb können auch Wirkstoffe ohne Zusatznutzen mitunter eine therapeutisch sinnvolle Option sein.“ Konsequenz aus der Studie: Mit Blick auf die hohe Anzahl der Marktrücknahme von Produkten im Schiedsverfahren sei eine Reform der Schiedsverfahren notwendig. Erforderlich seien außerdem langfristige, systematische Kosten-Nutzen-Analysen und Maßnahmen gegen die hohen Markteintrittspreise.

Informationen zum AMNOG-Report 2016 finden Sie hier.

Dr. Angelika Kiewel, Welt der Krankenversicherung

>zurück<