Neue Studie bestätigt hohe Wirksamkeit: Vorsorge-Darmspiegelung senkt Sterblichkeitsrate bei Frauen um 40,5 Prozent, Einladungsverfahren muss dringend verbessert werden

12.05.2021, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Versorgungskonzepte

Im Herbst 2002 wurde die Vorsorge-Koloskopie als gesetzliche Leistung der Krankenkassen eingeführt. Mit dieser Untersuchung lassen sich Vorstufen von Darmkrebs entdecken und abtragen. So können Neuerkrankungen verringert werden und Heilungschancen verbessert werden. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben nun den Erfolg dieser Maßnahme zur Krebs-Prävention errechnet.  Ein großes Verdienst kommt dabei der Felix-Burda-Stiftung zu. Sie hat unermüdlich für die Verbesserung der Darmkrebsprävention durch die Koloskopie geworben, besonders exponiert auch durch Dr. Christa Maar, Vorstand der Stiftung. Wissenschaftler des DKFZ haben nun berechnet, wie sich die Neuerkrankungsrate und die Sterblichkeit seit Einführung der gesetzlichen Vorsorge-Darmspiegelung verändert haben:

  • Von 2000 bis 2016 ging die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate bei beiden Geschlechtern um knapp ein Viertel zurück.
  • Zwischen 2000 und 2018 sank die Sterblichkeitsrate bei Männern um 35,8 Prozent  von ehemals 29,6 auf 19,0 pro 100.000. Bei Frauen sogar um 40,5 Prozent von 19,0 auf 11,3 pro 100.000.

Zusammen mit den Ergebnissen bereits vorliegender Studien lassen diese Zahlen keine Zweifel mehr offen, dass das Angebot der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge und insbesondere die Darmspiegelung ein hochwirksames Instrument der Krebsprävention ist", sagt Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Rund 8 Millionen Versicherte haben die Vorsorge-Koloskopie seit 2002 in Anspruch genommen, wodurch rund 145.000 Todesfälle und 306.000 Neuerkrankungen verhindert wurden. Aber immer noch erkranken jedes Jahr rund 61.000 Menschen neu an Darmkrebs und fast 24.600 Menschen sterben an der Erkrankung. Zahlen die schockieren, angesichts der vorhandenen präventiven Möglichkeiten für diese Erkrankung. Hermann Brenner ist überzeugt, dass sich die Zahlen innerhalb der nächsten zehn Jahre halbieren ließen, wenn mehr Menschen das Angebot zur Darmkrebsvorsorge in Anspruch nähmen. Sein Appell an die Politik: „Wir müssen dringend das Einladungsverfahren zur Darmkrebs-Vorsorge verbessern, um deutlich mehr Menschen zu motivieren, die Chance zur Krebsprävention zu ergreifen". Christa Maar kann ihren Unmut nur schwer in Zaum halten: "Wenn man diese Erfolgszahlen der letzten 19 Jahre sieht und gleichzeitig hört, wie viele Menschen in Zukunft vor Darmkrebs bewahrt werden könnten, wird die Haltung des GBA, der bisher alle Veränderungen am Einladungssystem abblockt, umso unverständlicher. Die aktuellen Teilnahmeraten von 2–3 Prozent der Anspruchsberechtigten sind nicht akzeptabel. Wir müssen den Fokus auf die Erhöhung der Teilnahmeraten am Darmkrebsscreening legen. Dass so viele Menschen in unserem Land unnötigerweise dasselbe Schicksal erleiden, das meinen Sohn das Leben gekostet hat, dürfen wir nicht länger zulassen!"

Anzeige
Anzeige