Projektstart: Interprofessionelles Versorgungskonzept für mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie

20.07.2021, Sven C. Preusker
Versorgungskonzepte, Digital Health

In der Region Nordrhein läuft seit Anfang April ein Pilotprojekt zum interprofessionellen digitalen Medikationsmanagement zur Vermeidung arzneimittelbezogener Probleme. Nun ist die Versorgung der Versicherten gestartet. Projektpartner sind der Krankenkassendienstleister GWQ ServicePlus AG, der Hausärzteverband Nordrhein e.V. und die Viandar. Um zu verhindern, dass gerade ältere Menschen unbedarft Medikamente selbst einsetzen und sich damit gefährden, wird eine neue Software genutzt, die die Hausärzte und Apotheker dabei unterstützt, frühzeitig gefährliche problematische Arzneimittelkombinationen zu erkennen. Ziel ist es, arzneimittelinduzierte Probleme deutlich zu reduzieren.

Im Rahmen der Selbstmedikation nehmen viele Patienten frei verkäufliche Präparate wie Schmerz- oder Nahrungsergänzungsmittel ein. Aufgrund von Wechselwirkungen mit dem vom Arzt verordneten Medikamentenplan kann dies verheerende Folgen haben. Wer über 75 Jahre alt ist, nimmt täglich durchschnittlich meist mehr als acht Substanzen ein. Für Ärzte, Kliniken und Apotheker wird es somit immer schwieriger, bei der Arzneimitteltherapie den Überblick zu behalten und die Patientensicherheit zu gewährleisten. Schätzungsweise 16.000 bis 58.000 arzneimittelbedingte Todesfälle gibt es jährlich in Deutschland.

Bisher habe ein Instrumentarium gefehlt, mit dem alle am Medikationsprozess beteiligten Akteure auf einen Blick sehen könnten, welche Präparate ein Patient einnimmt, so die Projektpartner in einer gemeinsamen Meldung. Diese Risiken könnten reduziert werden, indem die Gesamtmedikation des Versicherten konsequent erfasst, pharmazeutisch analysiert und in einen zentralen Medikationsplan überführt werde.

Nun haben die Vertragspartner ein Pilotprojekt realisiert, in dem sich seit April Hausärzte und Apotheken aus Nordrhein für ein digital angelegtes Medikationsmanagement registrieren konnten. Anfang Juli hat die Versorgung der Patienten begonnen. Durch den Einsatz der Software sollen sich alle beteiligten Akteure schnell und übersichtlich einen Überblick verschaffen können, was passiert, wenn ein Arzneimittel zur bestehenden Verordnung eingenommen wird. Die Grundlage liefert der „Medinspector“, entwickelt von der Viandar GmbH. Ziel ist es, ein standardisiertes, interprofessionelles Medikationsmanagement zu ermöglichen. Teilnahmeberechtigte Versicherte müssen regelhaft mindestens fünf verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen und an der hausarztzentrierten Versorgung (HzV) teilnehmen. Im Rahmen der HzV wählt ein Versicherter einen festen Hausarzt als ersten Ansprechpartner in allen medizinischen Belangen. Bisher haben sich bereits 15 Betriebskrankenkassen mit ca. 475.000 Versicherten in Nordrhein zur Teilnahme an dem Projekt entschieden.

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