ARD-Monitor und Infratest dimap: Mehrheit für Bürgerversicherung, PKV hält dagegen

16.09.2021, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

SPD, Grüne und Linke fordern in ihren Wahlprogrammen eine Bürgerversicherung. Laut einer Umfrage von Infratest dimap würden sich 69 Prozent aller Befragten für dieses Modell aussprechen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage für das ARD-Magazin Monitor. Überraschend ist dabei, dass selbst unter den Anhängern von Union (68 Prozent) und FDP (62 Prozent) eine deutliche Mehrheit der Befragten die Einführung einer Bürgerversicherung befürwortet. SPD, Grüne und Linke sprechen sich in ihren Wahlprogrammen für eine Bürgerversicherung aus, Union und FDP sind dagegen. Sie wollen das bisherige System grundsätzlich beibehalten. Die AfD äußert sich dazu nicht konkret. Das in der Vergangenheit immer wieder diskutierte und proklamierte Thema ist gegenwärtig wegen der Herausforderungen in der Finanzierung der GKV besonders brisant. Den Krankenkassen steht ein milliardenschweres Minus im zweistelligen Bereich bevor. IM Wahlkampf spielt die Finanzierungsfrage derzeit jedoch keine besondere Rolle. Selbst das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die Bürgerversicherung einen sinkenden Beitragssatz bewirke, allerdings nur überschaubar vorrübergehend. Die PKV sieht das grundsätzlich anders. Tatsache sei – so die PKV - dass in einer Bürgerversicherung auch gesetzlich Versicherte deutlich mehr bezahlen müssten als heute. Denn wären alle Privatversicherten in der GKV, würden jeder Arztpraxis mehr als 55.000 Euro pro Jahr verloren gehen – das medizinische Versorgungsniveau würde massiv leiden. Deshalb erklärten selbst SPD und Grüne, dass diese Mittel der medizinischen Infrastruktur nicht entzogen werden dürfen. Eine Kompensation sei unabdingbar. Mehrere namhafte Gesundheitsökonomen haben berechnet, dass sich in diesem Fall der Beitragssatz in der GKV um rund 0,5 Prozentpunkte erhöhen würde. Für einen Durchschnittsverdiener entspräche das einer Zusatzbelastung von mehr als 200 Euro im Jahr. Auch mit Blick auf Innovationen würde es nur Verlieren erzeugen. 

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