„Im Mittelpunkt sollte das stehen, was noch geht“ – Psychologe Paul Gellert forscht zu Hochaltrigen

03.12.2021, Sarah Rondot
Alternsforschung

Paul Gellert befasst sich mit den Ältesten der Alten. Mit den so genannten Hochaltrigen. Gellert ist Psychologe und wurde mit dem Margret-und-Paul-Baltes-Preis der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Er beschäftigt sich unter Anderem mit der Frage, ob im hohen Alter wirklich mehr Krankheiten dazu kommen. Die Antwort lautet überraschenderweise: Nein. Nach einer Auswertung von Daten der Kranken- und Pflegekassen weisen Personen, die als 100-Jährige verstarben im Quartal vor dem Tod im Mittel 3,3 Erkrankungen auf, im Vergleich zu durchschnittlich 4,6 Erkrankungen bei denen, die als 80-Jährige starben. Das landesläufige Urteil, dass hohes Alter mit mehr Krankheiten einhergeht, stimmt so also nicht. Die Daten zeigen eher eine Kompression, das heißt, dass der Beginn altersassoziierter Krankheiten und Behinderungen weiter hinausgezögert wird.

Gellert interessiert sich für den Anstieg der 100-Jährigen, die in Pflegeheimen wohnen: „Angesichts der großen Gruppe von 100-Jährigen in Einrichtungen der Langzeitpflege ist es an der Zeit, neue Konzepte für diese Zielgruppen zu entwickeln.“ Für Prävention sei es nie zu spät. Selbst in einem Alter von 100 Jahren hat Bewegung noch einen Einfluss, nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche. Gellert plädiert zudem für mehr Forschung in der pflegerischen und geriatrischen Versorgung von Menschen im hohen Alter. Er möchte die Lebensqualität der älteren Menschen in den Blick rücken, statt nur einzelne Erkrankungen und Einschränkungen zu beforschen. „Im Mittelpunkt sollte das stehen, was noch geht.

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