KDA-Vorsitzender Kneppe: Prognos-Studie zu Diskriminierung Berufstätiger mit Sorgeverantwortung ist alarmierend

01.07.2022, Kuratorium Deutsche Altershilfe
Alternsforschung, Politik & Wirtschaft

Der Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Helmut Kneppe, sieht in den Ergebnissen der Prognos-Studie zu Diskriminierungserfahrungen von Berufstätigen, die privat Kinder oder hilfebedürftige Menschen betreuen, ein Alarmsignal. „Wir befinden uns auf Kollisionskurs zur demografischen Realität, auf Kollisionskurs zu einer sozial-gerechten Zukunft.“

Helmut Kneppe, Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe“ (KDA) warnte angesichts der Ergebnisse einer Studie vor einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung: „Das Prognos-Gutachten zu Diskriminierungserfahrungen von Arbeitnehmenden, die Sorgeverantwortung tragen, ist alarmierend.“ Die Aussagen der befragten Berufstätigen mit Sorgeverantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Menschen, die von Herabwürdigungen und/oder materiellen Nachteilen berichteten, seine zwar nicht wirklich überraschend, so Kneppe. „Die Alarmglocken sollten dennoch schrillen, denn die Studie beschreibt eine Gesellschaft, die sich in eine bedenklich individualisierende, unsolidarische Richtung ‘optimieren’ lässt. Wobei die ‘Werte’, auf die hin ‘optimiert’ wird, durchaus der Hinterfragung wert sind“, gab Kneppe zu bedenken. „Wer solidarisches, sorgendes und zudem ehrenamtliches Kümmern für die Gesellschaft angesichts der demografischen Entwicklung bestraft, optimiert nicht, sondern versagt.“

Eine Gesellschaft, deren tragende Säule Familien seien, fuhr der Vorsitzende des KDA fort, die aber nicht genügend Möglichkeiten für Familien anbiete, ein „Sozial“-System schaffe, das teilzeitarbeitende Menschen bestrafe, wenn Kinder großgezogen oder Ältere betreut würden, statt Rentenpunkte zu sammeln, eine Gesellschaft, die bei der Pflege nicht angemessen umsteuere, „wird es zerreißen“, so Kneppe. „Eine solche Gesellschaft wird von der Realität überrollt werden. Sie ist schlicht nicht zukunftsfähig.“

Die Prognos-Studie, die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde, zeige laut Kneppe: „Wir befinden uns auf Kollisionskurs zur demografischen Realität, auf Kollisionskurs zu einer sozial-gerechten Zukunft.“ Schaue man sich allein diejenigen Befragten an, die sich zusätzlich zum Beruf auch um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern, so berichten


•             48 % der befragten Pflegepersonen von mindestens einer diskriminierenden Erfahrung am Arbeitsplatz
•             18% Frauen und 20 % Männer fühlen sich von wichtigen Informationen und Entscheidungen ausgegrenzt
•             16% Frauen und 16% Männer sehen fehlende Rücksichtnahme bei der Sitzungsterminierung
•             12 % Frauen und 16% Männer schildern schlechtere Leistungsbewertung und Ausbleiben von Lohnerhöhungen
•             20% durch unflexible Arbeitszeiten eine Erschwernis der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu erleben.

Diese Umfrageergebnisse machten einmal mehr deutlich, dass sowohl das Zusammenleben der Generationen als auch die Langlebigkeit der Gesellschaft eine „gesamtgesellschaftliche Entwicklungsaufgabe“ seien. Laut Pflegestatistik (Destatis, 2017) werden 76 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt (2007: 68 Prozent) und in einem Großteil dieser Situationen erhielten sie ausschließlich Pflegegeld, das heißt, sie wurden allein durch Angehörige gepflegt.

2019 hat der Rat der Europäischen Union die Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige („Work-Life-Balance-Richtlinie“) verabschiedet. Das Bundeskabinett hat am 8. Juni 2022 einen Gesetzesentwurf beschlossen, um die europäische Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen. Frist für die Umsetzung ist August 2022.


Prognos-Studie Diskriminierung Erwerbstätiger mit Fürsorgeverantwortung
Gesetzentwurf zur Umsetzung der „Work-Life-Balance-Richtlinie“
Landesprogramm Vereinbarkeit von Beruf und Pflege NRW

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