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Als Lou schwer erkrankt und in ein Krankenhaus muss, ist nichts mehr, wie es war. Die Tage auf Station sind zäh und zehrend, bis eine gelb leuchtende Linie am Boden erscheint, die zu einer geheimnisvollen Tür führt. Dahinter: Ein Gang mit unzähligen weiteren Türen, die Portale zu magischen Orten sind. Gemeinsam mit dem zum Leben erwachten Infusionsständer und einem Stimmungs-Oktopus begibt sich Lou auf eine Reise, bei der die drei fantastische Welten voller Wunder und mysteriöser Wesen erkunden – und den Zugang zu den eigenen Gefühlen entdecken. |
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"Onko-Land", die Buddy-Box mit Hör-Abenteuer, ist ein Begleiter für Kinder und Jugendliche im Klinikalltag, um den Mut-Akku aufzuladen. Sie hilft dabei, sich selbstbestimmt mit der Erkrankung und der einschränkenden Situation eines Krankenhausaufenthaltes auseinanderzusetzen. Wir haben die beiden Autoren von "Onko-Land", Kathrin Feldhaus und Michael Kaiser, zur Entstehung des Hörabenteuers befragt und erfahren, was das Projekt für sie persönlich bedeutet.
Wie ist die Geschichte rund um Lou entstanden?
Michael Kaiser: Unsere Grundidee war, die Situation und den Alltag von schwerkranken Kindern und Jugendlichen mit einer Geschichte zu überschreiben, die im Klinikalltag ihren Anfang nimmt, dann aber in eine Welt führt, in der alles möglich ist und der Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt sind. Diese Welt haben wir sehr frei nach Motiven aus „Der Zauberer von Oz“ gestaltet.
Kathrin Feldhaus: Wichtig war uns dabei, die Perspektiven und Ideen von jungen Menschen, die selbst betroffen sind, von Anfang an einzubeziehen. Deshalb haben wir bei der Entwicklung mit einer Akut- und einer Reha-Klinik zusammengearbeitet. In Workshops sowie Einzel- und Gruppen-Interviews haben wir zusammen mit Kindern und Jugendlichen Themen herausgefiltert, fiktive Welten entwickelt und Escape-Spiele ausprobiert.
Michael Kaiser: Wir haben richtig viel Material gesammelt – umfangreiche Statements zu den Problemen und Ängsten, die mit einer schweren Erkrankung verbunden sind, aber auch zu den Wünschen, Träumen und Visionen sowie konkrete Erlebnisse und Situationen, die auf Station passieren, vom Alltag bis hin zu Ausnahmesituationen. Es war ganz großartig und berührend, wie offen wir empfangen wurden und wie tief diese Gespräche waren.
Kathrin Feldhaus: Die meisten Orte und ein Großteil der Figuren, die uns im Hör-Abenteuer begegnen, stammen aus diesen Interviews. Hannah, die der Hauptfigur Lou ihre Stimme leiht, hat beispielsweise von ihrem Stimmungs-Oktopus aus Plüsch („Tinti“) berichtet. Ihn hat sie während ihrer Zeit im Krankenhaus geschenkt bekommen, damit sie Leuten, die das Zimmer betreten, ohne Worte ihre aktuelle Gefühlslage zeigen kann. Das fanden wir total charmant, und schnell war die Idee geboren, den Kraken zu einem Begleiter von Lou zu machen und der Box einen Stimmungs-Oktopus in Kartenform beizulegen.
Warum war es Ihnen wichtig, diese Geschichte als Hörspiel mit einer „Buddy-Box“ zu erzählen und nicht in einem anderen Format?
Kathrin Feldhaus: Bei unseren Gesprächen in den Kliniken war immer wieder Thema, wie hilfreich es für junge Menschen wäre, etwas an die Hand zu bekommen, sobald man im Krankenhaus ankommt – eine Art „Buddy“, also etwas Begleitendes, das Trost spendet, Mut macht und im oft zähen Alltag auf Station unterstützt. Die „Buddy-Box“ bietet unterschiedliche Anknüpfungspunkte zur Begleitung und das Hörspiel eine direkte Nähe zu den Figuren und Themen. Man kann einfach nur zuhören oder auch selbst aktiv werden, wenn man möchte.
Michael Kaiser: Fast alle verbringen im Krankenbett viel Zeit vor Bildschirmen. Dem möchten wir etwas entgegensetzen – einen Geschichtenkosmos, der für Ablenkung sorgt und dabei alle Sinne anspricht, beispielsweise durch die Illustrationen von Esfir Brod aka Inkjam und die Musik und Songs von Hannes Wittmer. Das Zentrum der „Buddy-Box“ ist das Hör-Abenteuer rund um die Reise von Lou, Oktopus und Infusionsständer durch Onko-Land bzw. zu ihren eigenen Gefühlen. Ein wichtiger Aspekt hierbei war, dass die Kinder und Jugendlichen die Reihenfolge der Geschichte selbst bestimmen können, da die Krankheit ihnen ja oft fast jede Form von Selbstbestimmung nimmt.
Kathrin Feldhaus: Wir haben bei unseren Recherchen immer wieder gehört, wie sehr die Emotionen in dieser Zeit Achterbahn fahren. Die jungen Menschen in der Reha haben den Wunsch geäußert, selbstbestimmt zu entscheiden, was man je nach Situation hören möchte. Auch deshalb haben wir die Möglichkeit eingebaut, ein zur aktuellen Gefühlslage passendes Kapitel auszusuchen, denn jede Episode rückt einen anderen Aspekt der Erkrankung ins Zentrum: Mal geht es um das Thema Essen und Appetitlosigkeit, mal um die Angst, den Anschluss zu verpassen usw.
Michael Kaiser: Das Hörspiel regt die Fantasie an, die in der Box enthaltenen Aktions- und Buddy-Karten laden dazu ein, sich mit der belastenden Situation und den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen, und in den Zufluchts-Kapiteln geht es darum, die Rätsel der Hexe der Zuflucht zu lösen, um sie anschließend u. a. auf Traumreisen zu begleiten und dabei zu entspannen.
Was bedeutet „Onko-Land“ für Sie persönlich?
Kathrin Feldhaus: Viele Facetten, so wie das Leben – emotional, berührend und trotz aller Belastungen auch manchmal humorvoll.
Michael Kaiser: Bei unserem ersten Workshop in der Reha-Klinik gab es einen Jungen, der sehr schwach und äußerst zerbrechlich wirkte. Er erzählte uns mit sichtbarer Anstrengung davon, wie er von einer Organisation, die krebskranken Kindern Wünsche erfüllt, einen Rundflug geschenkt bekommen hat, bei dem er das Flugzeug tatsächlich für einige Zeit selbst steuern durfte. Das Leuchten in seinen Augen und das Strahlen in seinem Gesicht beim Erzählen haben uns unheimlich berührt. Ich habe diese Episode direkt in „Onko-Land“ eingebaut, und wenn bei mir heute aus einer Alltags-Mücke ein Elefant wird, denke ich oft an diesen Jungen. Und ich freue mich, dass wir mit unserer Box kranken Kindern und Jugendlichen symbolisch für einige Zeit das Steuer übergeben.
| Kathrin Feldhaus entwickelt für den Freiburger Verein Element 3 seit 2012 partizipative Projekte, die im Kontext gesellschaftspolitischer Fragen stehen. Zum Thema „Krankheit und Gesellschaft“ veröffentlichte sie als Co-Autorin u. a. das durch die Veronika-Stiftung geförderte Sachbuch „Ich hab jetzt die gleiche Frisur wie Opa – Wie kranke Kinder und Jugendliche das Leben sehen”. |
| Michael Kaiser ist künstlerischer Leiter des Jungen Theaters Freiburg und dort als Autor, Dramaturg, Regisseur und Performer tätig. Ein Schwerpunkt: Theaterproduktionen zum Thema „Krankheit und Gesellschaft“ resp. Krebs, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Gemeinsam mit Kathrin Feldhaus und der Veronika-Stiftung veröffentlichte er das Sachbuch „Auf Klingel – Berufsalltag und Leben von Menschen in der Pflege“ |
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Die Buddy-Box ist ein Begleiter für Kinder und Jugendliche im Klinikalltag und zu Hause, um den Mut-Akku aufzuladen und sich auf dem neuen Lebensweg zurechtzufinden. Sie hilft dabei, sich selbstbestimmt mit der einschränkenden Situation auseinanderzusetzen und lädt dazu ein, die Klinikrealität mit Fantasie zu überschreiben. Die Box enthält ein Hörspiel, dessen Reihenfolge frei wählbar ist, kreative Anregungen, Rätsel und Traumreisen zum Entspannen sowie Musik von Hannes Wittmer. Themen wie der Wunsch nach Ablenkung oder Ruhe, Freundschaft, Essen und starke Gefühle spielen ebenso eine Rolle wie Mut, Humor und Zuversicht. Entwickelt wurde die Box mit jungen Menschen aus Akut- und Rehaeinrichtungen und einer Kunsttherapeutin. Neben Schauspielern sprechen zwei Jugendliche, die an der Recherche beteiligt waren, die Hauptfiguren Lou und Kit.
Mehr Informationen sowie die Möglichkeit zur Bestellung finden Sie in unserem Online-Shop. |
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Die Veronika-Stiftung setzt sich mit ihrer Fördertätigkeit für schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen ein. Durch die Förderung konkreter Projekte und Einrichtungen unterstützt sie Kinder und ältere Menschen bei Krankheit und in der Endphase des Lebens. Die Steigerung der Lebensqualität in Zeiten von Krankheit und Leid liegen ihr dabei besonders am Herzen. Kontakt: veronika-stiftung.de |