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Zum Abschluss des vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts „Digitale sektorenübergreifende Patientensteuerung: SePaS-digital“ zieht das Klinikum Lippe eine positive Bilanz. Am 1. Juli 2024 startete das 12-monatige Projekt der Universitätsklinik für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe in Detmold. Es es ging um die Optimierung der sektorenübergreifenden Patientensteuerung durch Digitalisierung und die Steigerung der Effektivität in der Patientenversorgung. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von der Internationalen Hochschule SDI München, seinen vorläufigen Abschluss fand es Ende Juni mit einem Abschluss-Symposium im Detmolder Campus 9, ausgerichtet vom Ärztenetz Lippe, dem Klinikum Lippe und dem Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft Ostwestfalen-Lippe (ZIG-OWL).
Der praxisnahe und niedrigschwellige Ansatz, den Übergang zwischen der hausärztlichen Versorgung und den ambulanten wie stationären Angeboten des Klinikums zu digitalisieren, führe zu einer spürbaren Entlastung für Hausarztpraxen, Klinikpersonal und Patienten, so das Fazit. Auch Klinikgeschäftsführer Dr. Niklas Cruse schätzt SePaS-digital ein anwendungsfreundliches Steuerinstrument für aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Gesundheitswesen und spricht sich für eine Verstetigung des Modellprojektes aus.
Die Projektidee entstand im Versorgungsalltag an der Universitätsklinik für Gastroenterologie und Infektiologie am Klinikum Lippe, „weil etwas passieren musste und die Idee für eine sinnvolle Gestaltung theoretisch vorhanden war, allerdings einer komplexen technischen Umsetzung bedurfte“, so Univ.-Prof. Johannes J. Tebbe, Direktor der Klinik.
Durchscnittlich 95 Prozent der stationären Patienten der Klinik werden direkt über die Zentrale Notaufnahme des Klinikums aufgenommen. Allerdings müssen längst nicht alle stationär behandelt werden, wie die regelmäßige Prüfung des Medizinischen Dienstes zeigt: die Fehlbelegungsquote – und damit das Potenzial zur stärkeren Ambulantisierung – sei in der Klinik eher hoch, so Tebbe. Dabei verfügt die Klinik über ein sehr dezidiertes ambulantes Angebot. Dieses aber korrekt zu „bespielen“ erfordere enormes Detailwissen und sei weder den überweisenden Hausärzten noch dem Personal der Notaufnahme zuzumuten. In der Vergangenheit sei über lange Telefonate mit dem Kliniksekretariat gesteuert worden, was entsprechend Personalressourcen blockiert habe, die dringlicher am Patienten einzusetzen seien.
Im Fokus des 12-monatigen Förderprojektes stand die Digitalisierung dieses Prozesses – gemeinsam mit der Firma kneier consult und der SDI München entstand ein webbasiertes System, das die Hausarztpraxis in weniger als zwei Minuten dabei unterstützt, die passende ambulante oder stationäre Behandlung direkt zu buchen – ganz ohne aufwendige Telefonate. Dieser Ansatz überzeugte auch Constanze Liebe vom Ärztenetz Lippe, welche Kontakte zu möglichen Partnerpraxen hergestellt hat und damit die Erprobung unter realen Bedingungen ermöglichte.
Dass das Projekt trotz der kurzen Projektlaufzeit ein Erfolg ist, wurde auf den Abschluss-Symposium schnell klar: Karl-Arne Faust, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin, verdeutlichte im gemeinsamen Vortrag mit Tebbe, wie der neue Weg der gemeinsamen sektorenübergreifenden Patientensteuerung in der Pilotphase den hausärztlichen und klinischen Alltag entlastet und Patienten durch einen zügigen Facharzttermin unterstützt hat. Die Anwendung sei einfach und direkt mit dem Patienten gemeinsam durchführbar.
„Die bisherigen Wege waren zu komplex, zu fehleranfällig und zu zeitintensiv. Mit dem neuen System ist eine gezielte und schnelle Steuerung endlich möglich“, so Tebbe. Viele Patienten könnten nun, ohne die Notaufnahme zu belasten, direkt in eine passende ambulante Behandlung geführt werden. Laut der ersten Auswertungen ist die Zahl ambulanter Behandlungen gestiegen, die der Fehlbelegungen zurückgegangen.
Auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung durch Prof. Clemens Lutsch und Karin Schwesig untermauern die positiven Rückmeldungen zu den Vorteilen des neuen Systems. Die von Schwesig vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die Gebrauchstauglichkeit des digitalen Prozesses für den Anwender im Vergleich zu den gängigen Zuweisungsprozessen deutlich höher ist
„SePaS-digital soll im Klinikum Lippe aus dem Laborcharakter hinaus in die Verstetigung gehen und weiter ausgebaut werden“ so Cruse. Das sei eine sehr gute Nachricht zum Ende der Förderphase. Die Ergebnisse des Projekts sollen nun auch anderen Regionen und medizinischen Fachgebieten als Vorbild für eine verstärkte Nutzung von digitalen Werkzeugen und Prozessen dienen.
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 12/2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!