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Rund 180 Teilnehmende aus Pflege, Medizin, Justiz, Polizei und Selbsthilfe kamen am 2. Juli 2025 zum 13. Landespräventionstag Mecklenburg-Vorpommern an die Hochschule Neubrandenburg. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gewalt in der Pflege wirksam verhindert werden kann, für Pflegebedürftige ebenso wie für Pflegende, die selbst häufig belastet oder betroffen sind. Denn Gewalt hat viele Gesichter: körperlich, psychisch, strukturell, oft unbeabsichtigt und dennoch folgenschwer.
Ein Höhepunkt des Tages war die Verleihung des Landespräventionspreises durch Innenstaatssekretär Wolfgang Schmülling und Sozialministerin Stefanie Drese. Ausgezeichnet wurden der Pommersche Diakonieverein e. V. („Gewaltschutz neu denken“), die Universitätsmedizin Rostock („Deeskalationstrainings in stationären Kontexten“) sowie die Landesfachstelle Demenz M‑V für ihren sozialraumorientierten Ansatz. Die Hochschule Neubrandenburg war Teil der Jury, gemeinsam mit Vertreter:innen aus Ministerien, dem Landeskriminalamt, dem bpa e. V., dem Landesseniorenbeirat und dem Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung.
Prof. Dr. Stefan Schmidt, Pflegewissenschaftler an der Hochschule Neubrandenburg, rückte in seinem Vortrag „Gewalt erkennen, verstehen und verhindern – Eine Einordnung aus Sicht der Pflegewissenschaft und Pflegepraxis“ die strukturellen Ursachen von Gewalt in den Mittelpunkt: Überforderung, Zeitdruck, unklare Abläufe. Am Beispiel des durch den GKV-Spitzenverband geförderte Forschungsprojekts EASY – Digitale Assistenzsystem zur Inkontinenzversorgung, das er und sein Team wissenschaftlich durchgeführt hat, zeigte er konkrete Wege zur Prävention. Die Ergebnisse: weniger Stürze, geringerer Materialverbrauch, spürbare Zeiteinsparung. „Wenn digitale Systeme Pflegende entlasten, entsteht wieder Raum für Beziehung. Und genau dort entsteht Menschlichkeit“, so Prof. Schmidt.
Einen weiteren Impuls lieferte Prof. Dr. Thomas Görgen von der Deutschen Hochschule der Polizei Münster. In seinem Vortrag zum Dunkelfeld pflegebezogener Gewalt machte er auf das Ausmaß unbemerkter oder nicht gemeldeter Vorfälle aufmerksam und plädierte für mehr interprofessionelle Zusammenarbeit, niedrigschwellige Meldewege und Fortbildungen im Sicherheitsbereich.
Abgerundet wurde der Fachtag durch acht vertiefende Workshops, in denen Teilnehmende aus unterschiedlichen Professionen an konkreten Handlungsmöglichkeiten arbeiteten, Fallbeispiele diskutierten und neue Netzwerke stärkten. Die Hochschule Neubrandenburg brachte sich nicht nur mit fachlichem Input ein, sie steht mit ihrer praxisnahen Forschung, ihrer Lehre und Projekten wie EASY beispielhaft für den Anspruch, Pflege sicher, menschlich und zukunftsfähig zu gestalten.
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 12/2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!