BWKG: Gesundheitsversorgung muss in der Politik höchste Priorität haben

03.09.2025, medhochzwei
Versorgung, Krankenhaus


 

Der jetzt veröffentlichte BWKG-Indikator 1/2025 der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) zeigt, dass 64,6 Prozent der Krankenhäuer in Baden-Württemberg für das Jahr 2025 rote Zahlen erwarten. Leichte Verbesserungen im Vergleich zu früheren Prognosen seien auf die Sonderprogramme des Landes von jeweils 150 Millionen Euro in den Jahren 2024 und 2025 sowie die Aufstockung der Pauschalförderung zurückzuführen, so Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der BWKG. „Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind unterfinanziert. Es fehlt an Personal und die Bürokratiebelastung ist unerträglich. Zusammen ergibt sich daraus eine zunehmend toxische Mischung für unsere Mitglieder.“ Beim BWKG-Indikator werden zweimal im Jahr die Geschäftsführenden der BWKG-Mitglieder nach ihren Einschätzungen zur aktuellen Lage der Einrichtungen gefragt.

Für 77,0 Prozent der Krankenhäuser ist es laut der Ergebnisse schwierig oder eher schwierig, Pflegefachkräfte zu finden. 75,9 Prozent haben Probleme, freie Stellen im Funktionsdienst neu zu besetzen und 53,6 Prozent haben Schwierigkeiten, freie Stellen im Ärztlichen Dienst neu zu besetzen. „Eine stabile und ausreichende Finanzierung ist auch eine zentrale Voraussetzung dafür, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Arbeitsbedingungen bieten zu können“, so Scheffold. Gute Arbeitsbedingungen seien zentral für die Zukunft, denn die Konkurrenz um gute Mitarbeiter werde immer größer und auch Auszubildende seien immer schwieriger zu finden.

Auch bei den Reha-Kliniken sieht es nicht rosig aus: Laut dem BWKG-Indikator gehen rund 47,4 Prozent davon aus, dass das Jahr 2025 mit roten Zahlen enden wird. Die schwierige wirtschaftliche Lage der Reha-Kliniken sei eine Folge von nicht finanzierten Kostensteigerungen aus den vergangenen Jahren. „Ein weiteres großes Problem für die Reha-Kliniken ist der Personalmangel“, so Scheffold. 73,7 Prozent der Reha-Klinikgeschäftsführungen geben an, dass es schwierig oder eher schwierig ist, offene Stellen im ärztlichen Dienst neu zu besetzen. 65,3 Prozent haben Schwierigkeiten, Pflegefachkräfte zu finden und 68,4 Prozent haben Probleme, Stellen im medizinisch-technischen Dienst und insbesondere in Therapieberufen zu besetzen. Völlig unverständlich sei in diesem Zusammenhang, dass die Reha-Kliniken immer noch nicht Träger der generalistischen Pflegeausbildung sein dürften.

„Den Pflegeeinrichtungen fehlt es sowohl an Personal als auch an Geld“, so Scheffold. Eine grundlegende Pflegereform mit einem Schwerpunkt auf der Finanzierung sei überfällig. Nach den Zahlen des BWKG-Indikators 1/2025 rechnen für das Jahr 2025 31,3 Prozent der Pflegeeinrichtungen mit roten Zahlen. 86,3 Prozent der Geschäftsführungen von Pflegeeinrichtungen geben an, dass es schwierig oder eher schwierig ist, offene Stellen für Pflegefachkräfte zu besetzen. 44,9 Prozent berichten von Schwierigkeiten bei der Suche nach Pflegehilfskräften und 59,8 Prozent bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen in der Pflege. Um in allen Bereichen genügend Personal zu haben, müsse neben der Ausbildung von Pflegefachkräften auch die Ausbildung von Pflegehilfskräften verstärkt und die Anerkennung ausländischer Mitarbeiter beschleunigt werden.

„Ein weiteres Muss ist, dass beim Bürokratieabbau endlich ernst gemacht wird“, so Scheffold abschließend. Wenn Pflegekräfte und Ärzte rund ein Drittel ihrer Zeit mit Bürokratie verbringen und somit immer weniger Zeit für ihre Patienten oder Bewohner hätten, sei es kein Wunder, dass sie ihren Beruf weniger gerne ausüben. Weniger Zeit für Bürokratie reduziere auch den Personalbedarf und damit den Fachkräftemangel. Hier müsse die Politik endlich ansetzen.

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 14/2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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