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Der diesjährige eHealthSalon von hc:spirit und seiner Chefin Dr. Evelyn Kade-Lamprecht am 25.9.2025 in Berlin war mal wieder ein Content-Highlight und ein echtes Austausch-Event. Im altehrwürdigen Bahnhofsdenkmal der Wartehalle haben 31 Referentinnen und Referenten engagiert und kompetent präsentiert und diskutiert, mit welchen Zukunftsprojekten sie sich heute beschäftigen. Eine coole Symbiose von Geschichtsträchtigkeit und Zukunft. Die ökonomische Lage der gesetzlichen Krankenversicherung wie des Gesamtsystems ist prekär. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die Gesundheitspolitik massiv gefordert gegenzusteuern, sondern sind insbesondere die Player gefragt, innovative Geschäfts- und Versorgungsmodelle für die Aufgaben der Krankenversicherung zu etablieren. Diese einschließlich der damit verbundenen Datenstrategien und Lösungen für Prävention, Versorgung und Kundenservice standen im Mittelpunkt der ausgezeichneten Tagung.
Apropos „Kundenservice“: Hier handelt es sich ja um Versicherte und Patientinnen und Patienten. Die scheinen im Gesundheitswesen, das zu über 90 Prozent ein Krankenbehandlungswesen ist, oft das letzte Rad am Wagen zu sein. Zu sehr stehen die gegebenen Strukturen und Prozesse im Vordergrund. Die Präsentationen und Diskussionen haben deutlich gemacht, dass sich das ändern muss. Gleich in ihrem Eingangsvortrag ist Dr. Evelyn Kade-Lamprecht auf die grundlegende Veränderung der Informations- und Versorgungsbedürfnisse der Versicherten eingegangen. Gesundheit wird als ein Lebensbaustein gesehen, sozial integriert zu sein und leistungsfähig zu bleiben. Influencer, Empfehlungsalgorithmen, Digitalisierung und KI verändern nicht nur die Use Cases der Krankenkassen, sondern haben auch zunehmend Einfluss auf den Lebensstil. In dieser Gemengelage sind analoge, humane Beziehungsverankerung und echter menschlicher Support trotz Disruptionen besonders gefragt und nützlich.
Raffael Möller und Peter Flemming von BITMARCK machten dann auch deutlich, dass es ganz neuer tiefgreifender Prozesse im Sinne einer ganzheitlichen Prozesskette bedarf, wobei auch unstrukturierte Dateninformationen entlang der Wertschöpfungskette einbezogen werden müssten. Eine generative KI berücksichtigt die Prozesse ganzheitlich mit interaktiven Schnittstellen wie z.B. Chatbots und sollte in Echtzeit Prozesse mitgestalten können. Erfolgreiche KI Transformation brauche Technik, Talent und Kultur bei aller Komplexität der GKV-Daten und der IT-Landschaft. In diesem Sinne schafft BITMARCK ein Ökosystem, welches Effizienz steigert, Qualität steigert, Transparenz verbessert und Raum für neue Services eröffnet. Daher hat man sich dieser neuen Rolle entsprechend auch neu aufgestellt.
Dr. Frederike Escher-Bracht, Fachbereichsleiterin Extraleistungen der BARMER diskutierte ihren Ansatz der individuellen Servicejourneys als Geschäftsmodell. Hier ist insbesondere die jüngere Generation im Blick für die die Leistungswelt der Krankenkassen kaum eine Rolle spiele, die aber zu 85 Prozent Gesundheitsleistungen auf Social Media Kanälen abrufen, wobei Wearables und Gesundheitscoaches an Bedeutung gewinnen. Die BARMER hat vor diesem Hintergrund vielfältige Kooperationen mit TOP-Digitalanbietern und Social Media aufgebaut, um für die Zielgruppe der jungen Menschen echte Mehrwerte leitlinienbasiert zu schaffen. Hier kommen vielfältige Angebote zum Tragen.
Michael Martinet von der DAK Gesundheit und die Hausärztin Dr. med Beatrice Staudt präsentierten ein Pilotprojekt als interdisziplinäres Innovationsvorhaben in der Hilfsmittelversorgung. Dabei geht es um die partnerschaftliche Gestaltung der Hilfsmittelversorgung gemeinsam mit den Ärzten und Ärztinnen mit dem Ziel, schnellere Prozesse, weniger Fehler, geringere Rückfragen bei Hilfsmittelanbietern, digitale Unterschriften und einen einfachen, papierlosen, nahtlosen Verordnungs- und Versorgungsprozess zu gestalten. Hier wird Bürokratie durch Verordnungsassistenten abgebaut bei zugleich höherer Patientensicherheit. Das Ganze läuft unter dem Begriff eGesundheit Deutschland, wobei alle wichtigen Akteure entlang der Hilfsmittelversorgungsprozesse einbezogen sind, so dass ein neuer Soll-Prozess ohne Medienbrüche etabliert wird.
Katja Hodeck von data experts und Karin Gaiser von der AOK Baden-Württemberg stellten das Projekt SAHRA-Pflegekennzahlen vor. Dabei geht es um die Sicherstellung menschenwürdiger Versorgung Pflegebedürftiger mit effizienten und nachhaltigen Versorgungsstrukturen, sektorenübergreifend personell und strukturell auf Grundlage limitierter Mittel. Entwickelt wurde das mit und speziell für die Sozialplanung der Kommunen und als Grundlage wirkungsorientierter Pflegestrukturplanung zur Stärkung der Pflege vor Ort. Ein Projekt, das den Handelnden vor Ort Daten zur Verfügung stellt, die sie so nicht zur Verfügung hatten.
Niklas Best, CEO von Oska Health und Dr. Florian Brandt, Innovations-Manager der IKK Südwest diskutierten ihre Kooperation in einer aus meiner Sicht zentral wichtigen Zukunftsaufgabe: Der der Patientenaktivierung und -steuerung bei chronischen Krankheiten, hier am Beispiel von Nierenerkrankungen. Mit einem hybriden Ansatz der praktischer Verhaltenspsychologie folgt werden die betroffenen Patientinnen und Patienten voll umfänglich und individuell begleitet. Das deckt auch das Niemandsland ihres Alltags ab. Folge: mehr Gesundheitskompetenz, mehr Therapietreue, mehr sekundäre Prävention, mehr Effizienz. Wenn man bedenkt, dass Krankenkassen 70 % ihres Budgets für chronisch Kranke ausgeben, ist dies eine lohnende Herangehensweise auch für andere Indikationen.
Sehr interessant und voller Perspektiven auch der letzte Teil des eHealthSalons zum Thema Datenzentrierte Prävention als strategisches Geschäftsfeld der Krankenkassen. Dabei ging es um passgenaue Prävention und Kommunikation (Dr. Freya Füllgraebe und Dirk Hennes, AOK Rheinland/Hamburg), um hybride Versorgungsmodelle zur Fachkräftesicherung im Setting „gesundes Arbeiten“(Stefan Blank, concept, Stefan Zipperer, CEO Gesundheit bewegt), Gesundheitsvorsorge 2.0: Smarte Prävention mit dem Health Check (Patrick Schraps, XUND und Ole Schuller, hkk). Dem Thema Prävention werden wir uns mit einem Schwerpunktheft in der Dezemberausgabe noch näher widmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem Welt der Gesundheitsversorgung Newsletter 05-2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!