Die Zukunft der Gesundheitsversorgung liegt in der aktivierenden Begleitung chronisch kranker Menschen und der präventiven Ausrichtung

01.12.2025, Rolf Stuppardt
Interviews & Kommentare, Krankenversicherung

Derzeit quellen Medien, Branche und Szene über mit dem großen Thema der Finanzierung. Das steht in rhythmischen Abständen immer ganz oben. Es würde sich lohnen, darüber zu diskutieren, warum das eigentlich so ist. Warum braucht dieses System Jahr für Jahr zum Teil erheblich mehr Geld? Und es ist ja wohl im Ergebnis ein Witz, wenn seriöse und solide Verantwortliche im System sagen, wenn das so weiter geht, landen wir absehbar bei 20 Prozent Beitragssatz. Dann wird Gesundheit bald so teuer wie wohnen. Es ist mir völlig schleierhaft, wieso nicht voll investiert wird in Prävention, Struktur- und Prozessveränderung. Dort liegt ein riesiges Effektivitäts- und Effizienzpotential.

Die Punkte sind eigentlich einfach zu verstehen: 
Wir geben 85 % des gesamten Budgets für chronisch Kranke aus. Dazu wissen wir zweierlei:

a) Unsere Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsweise hat einen erheblichen Anteil daran. Und komme man mir jetzt nicht mit der Verantwortung des Einzelnen, selbst Schuld etwa. Nein, es können sich immer mehr Menschen einfach ein gesundes Leben nicht mehr leisten. Sie sind schlicht gezwungen, den überzuckerten Lebensmittelschrott im Supermarkt zu kaufen, weil der billig ist. Aus einer auf Gesundheit orientierten Sicht müsste der eigentlich der Teuerste sein. Viele Menschen sind gefangen in einem Hamsterrad des Quantitativen: Mehr, schneller, weiter und wer zu kurz kommt, den bestraft das Leben. Verhalten und Verhältnisse bedingen sich halt. Das ist aber kein Schicksal. Daran kann man was machen.

b) Wir wissen gesichert, dass 30 bis 50 Prozent der chronischen Krankheiten durch evidenzbasierte Prävention gar nicht anfallen müssten. Ein immenses Finanzvolumen, was umgeleitet werden könnte. Und dann wissen wir auch, dass wer chronisch krank wird, schon allein wegen der Segmentierung des Systems zwischen Trägern und Institutionen maßgeblich „hängen bleibt“, Drehtüreffekte erlebt, dass er teils aus Unkenntnis, teils im falschen Vertrauen nicht therapietreu ist und von seiner komplexen Erkrankung die Basics des Alltags und eine präventive Ausrichtung nicht versteht. Das ist und wird alles teuer! Vor allem wird’s immer chronischer. 

Um dies alles abzumildern bzw. in erfolgversprechende Bahnen zu lenken, ist die Idee der begleitenden Steuerung und Aktivierung dieser Menschen mit einer grundsätzlich präventiven Ausrichtung ausgesprochen konstruktiv und zukunftsweisend. (Unter dem Kapitel „Die besondere Veranstaltung“ habe ich dazu an einem Beispiel Konkretes geschrieben).

Dabei wird es darum gehen müssen, chronisch kranke Menschen auch in ihrem Alltag so zur Seite zu stehen, dass diese in unterstützender Selbsthilfe mit ihrer Erkrankung ganz praktisch umgehen lernen, Gesundheitskompetenz entwickeln, sie also entsprechend zu aktivieren. Und zum anderen wird es darum gehen, dass die systemisch Beteiligten mit ihren jeweiligen Kompetenzen integriert kooperieren (zumeist Ärzte/Medizin- Krankenkassen-Dienstleister). Dies könnte die Strukturen und Prozesse im Gesundheitswesen am Bedarf der Menschen orientiert effektiver und effizienter gestalten.

Ich wünsche Ihnen ein gesundes Übergleiten in die Winterzeit

Ihr
Rolf Stuppardt

 

Dieser Beitrag stammt aus dem Welt der Gesundheitsversorgung Newsletter 06-2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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