Kammer: Pflegende sollten bei Kosten-Entscheidungen mitreden

15.12.2025, medhochzwei
Pflege, Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft


 

Wenn die Pflege mit am Verhandlungstisch sitzt, kommt für die Patienten ein besseres Ergebnis heraus. Davon ist die Pflegekammer NRW überzeugt und hatte jetzt Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen als relevante Kostenträger eingeladen, um mit ihnen über Möglichkeiten des engeren Austausches zu sprechen. Denn Fakt ist: Bislang wird meist nur die ärztliche Seite angehört, bevor Kosten für die Versorgung von Patienten bewilligt werden. „Mit unserer Perspektive auf den Behandlungsprozess können wir aktiv dazu beitragen, dass teure Fehlentscheidungen reduziert werden und die Therapie insgesamt wirkungsvoller wird“, so Leah Dörr, Vorstandsmitglied der Pflegekammer NRW.

Im Austausch machte die Kammer deutlich, dass ihr einige Beschwerden durch Pflegende vorlagen. Beispielsweise beklagen sich diese, dass sie Verordnungen zu Pflegehilfsmitteln formal zwar bereits ausstellen dürften, der Vorgang aber in der Praxis einen bürokratischen Mehraufwand auslöse. Sie müssten nämlich die Wahl des von ihnen verordneten Hilfsmittels ausführlich begründen, während eine Verordnung, die durch einen Arzt ausgestellt wird, ohne weitere Begründung genehmigt werden würde.

Außerdem werden bestimmte Pflegehilfsmittel oder Verbandsmaterialien häufig ausschließlich auf ärztliche Verordnung hin genehmigt – auch dann, wenn Pflegefachpersonen fachlich besser beurteilen könnten, welche Materialien geeigneter wären. Diese Praxis kann dann wiederum zu längeren Heilungsverläufen und höheren Kosten führen.

„Pflegefachpersonen wissen, welche Maßnahmen und Materialien im konkreten Fall notwendig sind. Wenn ihre Expertise bei Entscheidungen über die Versorgung berücksichtigt wird, profitieren Patientinnen und Patienten ebenso wie die Solidargemeinschaft“, sagte Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW.

Die Krankenkassen zeigten sich offen für die Anliegen der Pflegekammer. Einer ihrer Vertreter formulierte es deutlich: „Dies ist ein Skandal – ich bitte ausdrücklich um persönlichen und direkten Einbezug, sollten Mitglieder der Pflegekammer NRW berichten, dass seitens einzelner Krankenkassen-Mitarbeiter*innen falsche Aussagen im Umgang mit Verbandmaterialien oder medizinischen Produkten getätigt werden.“ Die Pflegekammer NRW versteht dieses Signal als wichtigen Schritt hin zu einer gleichberechtigten Zusammenarbeit zwischen Pflege, Ärzteschaft und Kostenträgern.

„Wir nehmen die Rückmeldungen unserer Mitglieder ernst. Dass jetzt ein direkter Austausch mit den Krankenkassen besteht, ist ein großer Fortschritt“, so Dörr. „Nur wenn die pflegerische Expertise einbezogen wird, kann eine qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Versorgung sichergestellt werden.“

Vertreter von insgesamt zwölf Krankenkassen folgten der Einladung der Kammer. Lediglich die Techniker Krankenkasse (TK) und die Knappschaft Bahn-See (KBS) konnten an dem Termin nicht teilnehmen. Das Gespräch verlief in offener und konstruktiver Atmosphäre, ein weiteres Treffen ist bereits für das Frühjahr 2026 vorgesehen.

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 20/2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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