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Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 – wie bereits im Jahr 2024 – um rund 7,8 Prozent und damit deutlich stärker als die Beitragseinnahmen mit rund 5,3 Prozent gestiegen. Das führt zu einem hohen Druck auf die Beitragssätze, weshalb die Krankenkassen – entsprechend der Prognose des GKV-Schätzerkreises – ihre Zusatzbeitragssätze zu Jahresbeginn stark anheben mussten. Auch für das kommende Jahr sind noch einmal deutliche Steigerungen zu erwarten.
Die 94 gesetzlichen Krankenkassen haben in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Überschuss in Höhe von 3,6 Milliarden Euro erzielt. Diese Überschüsse dienen jedoch vorrangig der Auffüllung ihrer Finanzreserven auf das gesetzliche Mindestniveau. Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen zum Ende des 1.-3. Quartals rund 5,4 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,19 Monatsausgaben und liegt damit weiterhin unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve in Höhe von 0,2 Monatsausgaben.
Den Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen in Höhe von 265,6 Milliarden Euro standen Ausgaben in Höhe von 262,0 Milliarden Euro gegenüber. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von 0,1 Prozent einen Zuwachs von unverändert 7,8 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz entsprach Ende September 2,94 Prozent und lag damit deutlich oberhalb des Ende Oktober 2024 für das Jahr 2025 bekanntgegebenen durchschnittlichen ausgabendeckenden Zusatzbeitragssatzes von 2,5 Prozent. Ursächlich hierfür ist laut des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), dass viele Krankenkassen gezwungen seien, einen höheren Zusatzbeitragssatz zu erheben, als zur Deckung der laufenden Ausgaben nötig wäre, um so ihre im vergangenen Jahr aufgrund der unerwartet hohen Ausgabendynamik stark gesunkenen Finanzreserven auf das gesetzlich vorgeschriebene Mindestniveau aufzufüllen.
Anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU): „Die gesetzliche Krankenversicherung steht unter größtem finanziellen Druck. Unser zentrales politisches Ziel ist die nachhaltige Stabilisierung der Finanzsituation der Krankenkassen, indem wir den Entwicklungen der vergangenen Jahre endlich etwas entgegensetzen. Dafür wurde in einem ersten Schritt ein kurzfristiges Maßnahmenpaket für 2026 auf den Weg gebracht. Die Verzögerungen durch die erfolgte Anrufung des Vermittlungsausschusses durch eine Mehrheit der Länder bedeuten hohe Unsicherheiten für die Planungen der Krankenkassen und führen möglicherweise zu höheren Zusatzbeiträgen im kommenden Jahr. Deshalb ist es notwendig, dass der Vermittlungsausschuss schnell zu einer Entscheidung kommt.“
Allen Entscheidungsträgern müsse bewusst sein, dass die Herausforderungen im kommenden Jahr ungleich höher sein würden: Ab dem Jahr 2027 seien Defizite in der GKV in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten. Die Experten der FinanzKommission Gesundheit würden deshalb bereits im März Vorschläge zur kurzfristigen Stabilisierung der GKV-Finanzen vorlegen, auf deren Basis der Gesetzgebungsprozess zügig beginnen solle.
Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2025 über eine Liquiditätsreserve von rund 5,7 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1.-3. Quartal 2025 ein buchhalterisches Defizit von 6,7 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,3 Prozent. Verantwortlich für die gute Einnahmenentwicklung im 1.-3. Quartal sind laut BMG insbesondere die deutlich gestiegenen beitragspflichtigen Löhne und Gehälter.
Die Krankenkassen verzeichneten im 1.-3. Quartal 2025 einen weiterhin sehr dynamischen Anstieg der Leistungsausgaben und Verwaltungskosten von 7,8 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 8,0 Prozent und damit ähnlich stark wie im Jahr 2024 und weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Die Verwaltungskosten stiegen um 3,2 Prozent. In absoluten Zahlen stiegen die Leistungsausgaben der Krankenkassen in den ersten neun Monaten des Jahres um 18,6 Milliarden Euro und die Verwaltungskosten um 301 Millionen Euro.
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind im 1.-3. Quartal um 9,9 Prozent bzw. 7,4 Milliarden Euro gestiegen. Der prozentuale Zuwachs im 1.-3. Quartal liegt mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der jährlichen Zuwächse im Zeitraum 2013-2024 und übertrifft die Dynamik im bisherigen Rekordjahr 2024. Ursächlich sind laut BMG vor allem hohe Vergütungssteigerungen sowie die Refinanzierung bisher nicht abgebildeter Tarifkostensteigerungen aus dem Jahr 2024. Zudem würden die stark steigenden Aufwendungen für psychiatrische Behandlungen (14,3 Prozent bzw. 1,08 Milliarden Euro) und die per Selbstkostendeckungsprinzip finanzierten Pflegepersonalkosten (13,3 Prozent bzw. 2,19 Milliarden Euro) zum starken Ausgabenanstieg im Krankenhausbereich beitragen. Doch auch bei den somatischen Behandlungen (inklusive ambulanter Behandlungen) werde mit 8,2 Prozent (4,16 Milliarden Euro) eine hohe Dynamik im Zeitraum Januar bis September verzeichnet.
Die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen sind im 1.-3. Quartal um 7,6 Prozent bzw. 2,9 Milliarden Euro gestiegen. Zwar habe sich der Ausgabenzuwachs gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 (7,8 Prozent) geringfügig abgeschwächt, dennoch liegt das Wachstum der ersten neun Monate annähernd doppelt so hoch wie das durchschnittliche jährliche Wachstum seit 2013. Auch die steigenden Ausgaben für das ambulante Operieren (18,8 Prozent bzw. 365 Millionen Euro) hätten zum Ausgabenanstieg beigetragen, hieß es. Ursache seien vor allem die 2024 eingeführten Eingriffe mit spezieller sektorengleicher Vergütung (Hybrid-DRGs), die u.a. zu einer Ambulantisierung bisher häufig stationär durchgeführter Behandlungen führten. Die Aufwendungen für diese neuen Leistungen betrugen im 1.-3. Quartal rund 306 Millionen Euro. Die Aufwendungen für extrabudgetär vergütete Psychotherapeutische Leistungen verzeichnen mit 9,3 Prozent (250 Millionen Euro) eine Beschleunigung gegenüber dem 1. Halbjahr (8,7 Prozent).
Ein stark überdurchschnittliches Wachstum von 12,8 Prozent (bzw. 1,0 Milliarden Euro) verzeichnet der Bereich der medizinischen Behandlungspflege, der bereits 2024 (11,8 Prozent) und 2023 (12,9 Prozent) stark überdurchschnittliche Aufwüchse verzeichnete. Dazu trage insbesondere das kräftige Wachstum der Aufwendungen für die außerklinische Intensivpflege (16,2 Prozent bzw. 445 Millionen Euro) bei, wenngleich auch die restlichen Aufwendungen in diesem Bereich mit 11,0 Prozent (559 Millionen Euro) dynamisch angewachsen seien.
Die Ausgaben für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen, die nach den pandemiebedingten Einbrüchen des Jahres 2020 im Schnitt um rund 10,5 Prozent pro Jahr wuchsen, entwickelten sich im 1.-3. Quartal mit einer Steigerung von 10,7 Prozent bzw. 373 Millionen Euro.
Die Verwaltungskosten der Krankenkassen entwickeln sich sowohl im Teilbereich der sächlichen Verwaltungskosten (3,5 Prozent bzw. 132 Millionen Euro) als auch der persönlichen Verwaltungskosten (4,1 Prozent bzw. 332 Millionen Euro) moderater als die Leistungsausgaben, so das BMG.
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 20/2025. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!