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Der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins hat deutlich gemacht, wie sensibel und verwundbar die kritische Infrastruktur ist – insbesondere im Gesundheits- und Pflegesystem. Das Ereignis habe eindrücklich gezeigt, wie unzureichend Pflege- und Gesundheitseinrichtungen auf solche Extremereignisse vorbereitet sind, so der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Der Verband fordert deshalb die zentrale Einbindung von Pflegefachpersonen in die Krisenvorsorge. Betroffen waren mindestens fünf Krankenhäuser – das Helios Klinikum Emil von Behring, das Evangelische Krankenhaus Hubertus, das Krankenhaus Waldfriede, das Immanuel Krankenhaus Berlin und die Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk. Darüber hinaus war die Stromversorgung für diverse Pflegeeinrichtungen zeitweise unterbrochen.
Vera Lux, Präsidentin des DBfK: „Dass es in Pflegeeinrichtungen nicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen ist, ist vor allem dem außergewöhnlichen Engagement der Pflegefachpersonen und anderer Gesundheitsberufe zu verdanken. Sie haben unter schwierigen Bedingungen Verantwortung übernommen und Versorgung sichergestellt – oft improvisierend, da Pflege strukturell im Krisen- und Katastrophenmanagement nicht hinreichend einbezogen wird.“
Aus Sicht des DBfK ist klar: Pflegefachpersonen müssen systematisch und strukturiert auf Krisenereignisse vorbereitet werden. Dazu gehörten das Vorhandensein und die sichere Kenntnis von Notfall- und Blackout-Plänen, regelmäßige Schulungen und Übungen, ausreichende Vorräte an Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und Nahrung sowie die Fähigkeit zum ressourcenschonenden Arbeiten. Ebenso essenziell seien stromunabhängige Kommunikationswege, klare Zuständigkeiten und Befehlsketten sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Berufen und dem Katastrophenschutz. Zudem würden Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dringend finanzielle und strukturelle Mittel benötigen, um sich angemessen auf solche Szenarien vorbereiten zu können. Gleichzeitig müssten die Kompetenzen von Pflegefachpersonen in der Krisen- und Katastrophenvorsorge endlich konsequent mitgedacht werden. Ohne die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen sei eine resiliente Vorbereitung auf zukünftige Extremereignisse nicht möglich.
„Was die berufliche Qualifikation und Kompetenzen im Krisenfall angeht, sind wir in Deutschland noch nicht so weit wie in anderen Ländern“, so Lux. Die Erweiterung der Pflegekompetenzen, wie sie im Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) beschlossen wurden, das Anfang 2026 in Kraft getreten ist, sei hierbei ein wichtiger Schritt, damit Pflege im Ernstfall wirksam und selbstbestimmt handeln könne. „Der Stromausfall in Berlin war ein weiteres Warnsignal. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln, um Pflege, Gesundheitssystem und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen.“
Ein Stichwort in solchen Situationen ist ‚Disaster Nursing‘ – seit August 2024 läuft dazu das Projekt „MODINA – Krisenresilienz im Bevölkerungsschutz“ des Kompetenzzentrums Pflege im Bevölkerungsschutz und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Die DRK-Schwesternschaft Bonn e.V. und die Württembergische Schwesternschaft vom Rotem Kreuz e.V. entwickeln in einem Projektkonsortium im Auftrag des BIBB das Modul ‚Pflegehandeln in Krisen und Katastrophen – Disaster Nursing‘ für die Pflegeausbildung. An rund zehn Pflegeschulen bundesweit läuft derzeit ein Pilotprojekt, in dem das Curriculum erprobt wird. Das Projekt soll bis Mitte 2026 laufen, danach sollen alle Unterrichtsmaterialien kostenlos auf der Website des BIBB zur Verfügung stehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 01/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!