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Beim Kongress des Bundesverbandes Managed Care (BMC), der am 27. und 28. Januar in Berlin stattfand, hat der BMC-Vorstandsvorsitzende Prof. Lutz Hager mit medhochzwei unter anderem über die Herausforderungen der aktuellen Gesundheitspolitik, die Zukunft der Versorgung und die Erkenntnisse aus dem diesjährigen Kongress gesprochen.
Sven C. Preusker: Was wird die (Gesundheits)-Politik dieses Jahr unbedingt anpacken müssen über die Dinge hinaus, die ohnehin schon auf der Agenda stehen?
Prof. Lutz Hager: Wir müssen das Ziel größer denken. Es geht darum, die sektorale Versorgung hinter uns zu lassen und ein neues patientenorientiertes Versorgungsmodell zu schaffen, welches eben nicht in den Bahnen von Organisations, Einrichtungs- oder Sektorengrenzen festgelegt ist. Dazu bedarf es eines größeren Zielbildes – das kann nur erreicht werden, indem die verschiedenen Reformprojekte dahingehend miteinander verbunden werden.
Preusker: Primärversorgung war eine der ‚Burning Questions‘ auf dem BMC-Kongress. Welche Erkenntnisse dazu nehmen Sie mit?
Hager: Es gibt eine große Bereitschaft bei den vielen Akteuren, Stakeholdern und Beteiligten in der Versorgung, wirklich neue Wege zu geben. Und es liegt eine Vielzahl von Lösungen heute schon vor. All das, was wir uns vornehmen, können wir auch umsetzen.
Preusker: Gesundheitskompetenz ist ein Stichwort, das wir bei diesem Kongress in vielen Sessions gehört haben. Was muss da passieren, damit die Bevölkerung in den Gesundheitsfragen kompetenter wird oder wieder kompetenter wird?
Hager: Von unserem Panel zur Zukunft der Professionen habe ich die Erkenntnis mitgenommen, dass Professionalisierung, also die Entwicklung aller Gesundheitsprofessionen, der Schlüssel zu einer arbeitsteilig bedarfsgerechten Versorgung ist. Dieser Gedanke lässt sich auch auf Patientinnen und Patienten übertragen. Gesundheitskompetenz ist dann die ‚Professionalisierung‘ von Patientinnen und Patienten im Hinblick auf ihre besonderen Bedarfe und Versorgungssituationen. Damit entsteht Augenhöhe und die Grundlage für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen den Beteiligten. Das sollte also ein Ziel in allen Gesundheitseinrichtungen sein.
Preusker: Was nehmen Sie als zentrales Learning vom diesjährigen BMC-Kongress mit – auch als Aufgabe für den Verband?
Hager: Wir müssen uns weiter dafür einsetzen, dass wir nicht zu kurz springen. Natürlich will jeder seine partikularen Ziele unterbringen. Darüber laufen wir Gefahr, auch mit wohlklingenden Reformen nah am Status Quo zu bleiben. Pointiert: Wer das Ziel nicht kennt, für den ist jeder Weg der Richtige. Die Zukunft der Gesundheitsversorgung liegt aber jenseits von Sektoren- und Sozialgesetzbuch-Grenzen, Einzelleistungsvergütungen und einseitigem Fokus auf Reparaturmedizin. Wir zielen nicht nur auf eine andere, sondern vor allem auf eine bessere Versorgung. Auf dieses Ziel hin müssen wir uns immer wieder ausrichten und darin sehe ich auch die Aufgabe des BMC.
Preusker: Wie passt der Wandel in der Versorgungslandschaft einerseits mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft andererseits zusammen
Hager: Die eigentlich interessanten Mehrwerte für Gesundheitsversorgung und damit auch Geschäftsmodelle liegen jenseits der heutigen Fragmentierung von Versorgungswegen und Intransparenz von Outcomes. Wir haben das im BMC mit unserem Fokus auf Value-Based Care klar herausgearbeitet. Kürzlich haben wir innovative Use-Cases für die Nutzung von KI und Gesundheitsdaten zusammengetragen. Geschäftsmodelle, die international funktionieren, sind im deutschen Gesundheitssystem nur sehr schwierig oder gar nicht umzusetzen. Das müssen wir ändern. Der Value-Fokus verbindet Nutzen für Patientinnen und Patienten und die Allgemeinheit mit Geschäftsmodellen für Unternehmen. Daher sprechen wir im BMC von einem ‚Gemeinschaftsprojekt Gesundheit‘.
Preusker: Diese Win-Win-Situation muss also ermöglicht werden, auch von der Politik?
Hager: Genau – Der Kongress ist auch eine starke Botschaft an Politik und Selbstverwaltung, dass Anbieter, Versorger und Kassen großes Interesse an innovativen Lösungen haben und vielfach aus eigener Initiative vorangehen. Das ist ermutigend und macht den besonderen Spirit des BMC-Kongresses aus. Ich freue mich auch über die große mediale Resonanz, das wird allen Beteiligten bei der weiteren Arbeit helfen.
Preusker: Noch ein kurzer Ausblick: Anfang Mai veranstalten Sie, als stellvertretender Vorsitzender der Gesundheitsplattform Rhein-Neckar, gemeinsam mit dem medhochzwei Verlag das 9. Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung. Geben Sie den Lesern einen kurzen Vorgeschmack?
Hager: Das Heidelberger Forum ist ein Ort, an dem wir unser Gesundheitssystem zusammenhängend reflektieren und Wege für eine Modernisierung erkunden. Es ist ganz bewusst auf einen vertieften Dialog ausgerichtet, in diesem Jahr unter der Überschrift „Auf Gesundheit setzen – digital, nachhaltig und partnerschaftlich!“ Dabei schwingt die Perspektive einer verstärkten regionalen Zusammenarbeit, in der Rhein-Neckar-Region und anderswo, immer mit. Anfang Mai werden wir zudem die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit vorliegen haben und diese in den Kontext weiterer Reformschritte setzen. Eine Teilnahme lohnt sich daher sehr.
Preusker: Vielen Dank für das Gespräch!
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Prof. Dr. Lutz Hager hat eine Professur für Management im Gesundheitswesen an der SRH Fernhochschule – The Mobile University inne. Er ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Managed Care sowie stellvertretender Vorsitzender der Gesundheitsplattform Rhein-Neckar e.V. und Fellow des internationalen Scianca Health Leaders Network. Von 2019 bis 2021 war er stellvertretender Geschäftsführer eines ärztlichen Verbundunternehmens, der ze:roPRAXEN, davor langjähriger Geschäftsführer der IKK Südwest sowie in einer führenden internationalen Unternehmensberatung tätig. |
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 02/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!