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Die Demenzprävention muss nach Einschätzung führender Fachleute deutlich stärker als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Dieses Fazit zog die 8. Bundeskonferenz „Gesund und aktiv älter werden“, die Ende April in Köln stattfand. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse zur Prävention neurodegenerativer Erkrankungen wirksamer in Versorgung, Präventionspolitik und Alltag übertragen lassen.
Die Veranstaltung verdeutlichte den Perspektivwechsel, der derzeit in der Debatte um Demenzprävention stattfindet. Statt ausschließlich über Krankheit und Defizite zu sprechen, plädierten die Beteiligten dafür, den Begriff der „Hirngesundheit“ stärker in den Vordergrund zu rücken. Dieser Ansatz solle Menschen früher erreichen, mehr Eigenverantwortung fördern und Prävention stärker positiv besetzen. In der Diskussion wurde darauf verwiesen, dass erfolgreiche Präventionsstrategien bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder beim Rückgang des Rauchens gezeigt hätten, dass langfristige Verhaltensänderungen grundsätzlich möglich seien.
Zu den zentralen Ergebnissen der Konferenz gehört die Forderung nach einer besseren Verzahnung von Prävention, Diagnostik und Versorgung. Hausärzte wurden dabei als entscheidende Akteure hervorgehoben, weil sie Menschen oft über viele Jahre begleiten und Risikofaktoren früh erkennen könnten. Gleichzeitig kritisierten die Teilnehmenden, dass vorhandene wissenschaftliche Erkenntnisse und Gesundheitsdaten bislang nur unzureichend genutzt würden. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Gesundheitsdatennutzungsgesetz könnten dazu beitragen, sektorübergreifende Präventionsansätze besser umzusetzen.
In mehreren Vorträgen wurde deutlich, dass Demenzprävention weit über einzelne Maßnahmen hinausgeht. Prof. Frank Jessen von der Uniklinik Köln verwies darauf, dass multimodale Interventionen und individuelle Risikoprofile zunehmend an Bedeutung gewinnen. Frühdiagnostik könne sinnvoll sein, wenn daraus konkrete therapeutische oder präventive Schritte abgeleitet würden. Zugleich ging er auf neue medikamentöse Ansätze zur Behandlung früher Alzheimer-Stadien ein und skizzierte deren aktuelle gesundheitspolitische Bewertung.
Prof. René Thyrian vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen machte deutlich, dass Präventionsbemühungen nicht mit der Diagnosestellung enden würden. Auch im weiteren Krankheitsverlauf gebe es wirksame Ansätze, um Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern und Angehörige zu entlasten. Allerdings würden entsprechende Angebote bislang vielerorts nicht ausreichend in die Regelversorgung integriert.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte Prof. Daniela Berg, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Sie beschäftigte sich mit der Frage, warum gesundheitsfördernde Lebensstilmaßnahmen trotz guter Evidenz häufig nicht umgesetzt werden. Neben individuellen Faktoren seien dabei auch soziale, politische und ökonomische Rahmenbedingungen entscheidend. Prävention könne deshalb nicht allein dem Einzelnen überlassen werden, sondern erfordere die Mitwirkung von Gesundheitssystem, Bildungseinrichtungen, Medien und Politik.
Die rund 250 Teilnehmenden diskutierten darüber hinaus die Notwendigkeit langfristiger politischer Strategien. Der Ruf nach einer langfristigen strategischen Ausrichtung – bis hin zur Vision einer „Dekade der Gehirngesundheit“ – zog sich durch alle Programmpunkte. So könnten Prävention, Forschung und Versorgung stärker gebündelt werden. Konsens bestand darin, dass wirksame Demenzprävention frühzeitig ansetzen, personalisiert erfolgen und mehrere Risikofaktoren gleichzeitig adressieren müsse. Ebenso wichtig seien alltagsnahe Aufklärung, digitale Zugänge und eine stärkere Vernetzung der beteiligten Akteure.
Auf der Website der Veranstaltung ist eine ausführliche Dokumentation zu finden.
Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 08/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!