Ärztetag fordert bessere psychiatrische Versorgung statt neuer Meldepflichten

27.05.2026, medhochzwei
Psychotherapie, Politik & Wirtschaft


 

Der 130. Deutsche Ärztetag hat Bund und Länder aufgefordert, Gewaltprävention bei Menschen mit psychischen Erkrankungen konsequent über eine bessere Versorgung umzusetzen statt über neue Meldepflichten. Eine Ausweitung staatlicher Eingriffe zulasten der ärztlichen Schweigepflicht lehnten die Abgeordneten ab.

Zum Hintergrund hieß es von der Bundesärztekammer (BÄK), dass verschiedene Bundesländer nach Gewalttaten in Deutschland und der Schweiz durch Menschen mit psychischen Erkrankungen Gesetzesänderungen zur Ausweitung der Meldepflichten von Kliniken anstrebten. So sollten die Polizei bzw. Ordnungsbehörden über die Entlassung aus der Unterbringung informiert und ihnen personenbezogene Daten übermittelt werden. „Mit einer Ausweitung der Meldepflichten geht eine Einschränkung der ärztlichen Schweigepflicht einher“, warnte der Ärztetag. Dies könne Menschen mit psychischen Erkrankungen davon abhalten, sich medizinische Hilfe zu suchen und somit unter Umständen mit einem erhöhten Risiko für Gewalttaten einhergehen.

Entscheidend sei daher eine frühzeitige, kontinuierliche und bedarfsgerechte Behandlung. Insbesondere psychiatrische Einrichtungen und Sozialpsychiatrische Dienste müssten gestärkt werden. Nur durch Behandlung unter ärztlicher Leitung und Verantwortung könne nachhaltige Gewaltprävention bei psychisch kranken Menschen gelingen, nicht aber durch Stigmatisierung.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 09/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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