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Ertrinkungsunfälle gehören zu den tragischsten und zugleich häufig unterschätzten Gefahren für Kinder. Oft genügen wenige Sekunden der Unaufmerksamkeit, damit aus einem unbeschwerten Tag am Wasser eine Katastrophe wird. Notfallmedizinerin Dr. Katharina Rieth erlebt die Folgen solcher Situationen immer wieder aus nächster Nähe. In ihrem eindringlichen Beitrag schildert sie einen Fall, der sie bis heute bewegt, und erklärt, warum Aufsicht, Schwimmfähigkeit und realistische Risikoeinschätzung Leben retten können.
Es war im vergangenen Sommer. Dr. Katharina Rieth gerade auf einer Fortbildung, als sie die Nachricht einer guten Freundin erreichte. Die Klassenkameradin ihrer Tochter war im Schwimmbad ertrunken. Ein Satz, der dabei fiel, lässt sie bis heute nicht los:
„Die Mutter war doch nur mal kurz auf der Toilette – und nun ist ihre Tochter tot.“
Das Mädchen war 6 Jahre alt, konnte nicht schwimmen und war „nur kurz“ unbeaufsichtigt im Wasser. Eine Tatsache, die ihr das Leben kostete. Denn das Ertrinken passierte einfach so, ganz leise. Zwischen all den anderen Kindern, die lachend im und ums Wasser herum unterwegs waren. Zwischen all den Erwachsenen, die überall und nirgends ihre Augen hatten.
Dieser Fall ist kein Einzelschicksal: Am heißen Pfingstwochenende wurden erneut sechs Menschen an unterschiedlichen Stellen in ganz Deutschland tot im Wasser aufgefunden, darunter vier Kinder. Das nun anstehende zweite heiße Wochenende des Jahres weckt daher von neuem Sorge um die Sicherheit von Kindern beim Baden.
„Heute wie damals läuft mir bei dem Gedanken ein Schauer über den Rücken“, so Dr. Katharina Rieth.
Als Notärztin, Kinderintensivmedizinerin, DLRG-Mitglied und leidenschaftliche Freizeitschwimmerin wird sie leider immer wieder mit solchen Szenarien konfrontiert: Eltern, die „nur mal eben fix“ am Handy sind, ein Eis oder Pommes besorgen, auf Toilette oder zum Spind gehen oder ältere Geschwister beauftragen, „mal eben fix aufzupassen“.
Und Kinder, die unbeaufsichtigt innerhalb von Sekunden im Planschbecken das Gleichgewicht verlieren und mit dem Kopf unter Wasser geraten. Kinder, die vertieft ins Spiel dem Ball hinterher ins tiefe Wasser abtreiben. Kinder, die beim Sprung vom Beckenrand die Schwimmflügel verlieren oder ihre Ausdauer überschätzen und es nicht mehr zum Rand zurückschaffen, bevor sie untergehen.
Dr. Katharina Rieth appelliert deshalb eindringlich an Eltern und Betreuungspersonen:
„Und nein, ich würde niemals alleine mit zwei Kleinkindern gleichzeitig ins Schwimmbad gehen“, betont Dr. Katharina Rieth.
Ihr Appell: Nutzen und teilen Sie Aufklärungsangebote zur Ertrinkungsprävention, damit Kinder nicht unnötig sterben müssen.
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