Bessere Führung im Krankenhaus auch in Krisenzeiten

„Der Luxus schlechter Führung“ Buchvorstellung auf dem HSK 2026

01.07.2026, Sarah Rondot
Veranstaltungen, Krankenhaus


Buchvorstellung „Der Luxus schlechter Führung“. (v.l): Julia Rondot, Geschäftsführerin medhochzwei, Dr. Benedict Carstensen, Prof. Heinz Lohmann (vorne), Peter Herzau (hinten), Philipp Andresen, Prof. em. Dr. Günther Jonitz. © medhochzwei Verlag.

Führungskultur im Krankenhaus wird zu oft als nice to have angesehen und damit als eine Sache, die dann angegangen wird, wenn der Rest läuft. Das wollen Philipp Andresen, Organisationspsychologe (TU Braunschweig) und Gründer des Instituts für Unternehmensgesundheit in Berlin, und Dr. Benedict Carstensen, promovierter Facharzt für Innere Medizin und Diplompsychologe, mit ihrem Werk „Der Luxus schlechter Führung“, erschienen im medhochzwei Verlag, ändern.

Auf dem Hauptstadtkongress 2026 stellten die beiden Autoren die Neuerscheinung im Rahmen eines Talks vor und diskutierten zusammen mit Peter Herzau, New Work Experte , Sabrina Roßius, Geschäftsführerin Pflegezert, und Günther Jonitz, Professor Medical School Berlin sowie ehemalige Vorstand der Bundesärztekammer, über neue Perspektiven in der Führungskultur.

„Führung glich einem Improvisationstheater“

Moderator Heinz Lohmann berichtete zum Einstieg von seiner langjährigen Erfahrung im Gesundheitssystem. „Als ich angefangen habe, glich die Führung im Krankenhaus einem Improvisationstheater.“ Und noch heute glaubt er: „Nirgendwo wird so schlecht geführt, wie im Gesundheitssystem.“ Das liege zu großen Teilen daran, dass die Führungspositionen fachlich ausgesucht werden, während Führungsqualitäten unter den Tisch fallen. „Wir brauchen Führungskräfte, die ihre Leute mitnehmen können, die im besten Falle Change Manager sind.“, so der Gesundheitsunternehmer.

„Das war schon immer so“ – kein gutes Argument

Autor Dr. Benedict Carstensen berichtete aus seinen eigenen Erfahrungen: „Ich habe im Krankenhaus viel Unzufriedenheit erlebt. Wenn man das an die Führungsebene weitergegeben hat, hieß es, das war schon immer so. Ich habe aber in der Famulatur erlebt, es geht in manchen Kliniken besser. Für mich ist die Frage spannend: Warum funktioniert die Führung gut oder schlecht? Ich bin dann darauf gekommen: Die Führung passt noch zu den Herausforderungen von vor 20 Jahren, aber nicht mehr zu den Herausforderungen von heute. Ich hoffe, dass sich in Zukunft weniger ausgelaugte Assistenzärzte bei älteren Kollegen ausheulen müssen.“

Führungskultur im Krankenhaus ist brachliegendes Potenzial

Andresen und Carstensen wollen nicht per se den Führungskräften einen Vorwurf machen, denn die haben es ja oft nicht anders vorgelebt bekommen. Eine Änderung in der Führungskultur wäre aber das größte ungenutzte Potential im Gesundheitssystem, weswegen sich jede Klinik bemühen sollte, die Führungskultur zu verbessern, so die Autoren. New-Work Experte Peter Herzau erklärte einen möglichen Ansatz, um dies umzusetzen: „In Besprechungen kann man schnell Veränderungen erreichen. Ein wichtiges Tool, neue Strukturen auszuprobieren ist es, die Frage zu stellen: „Is it save enough to try?“

„Wir haben oft schon mit der fehlenden Rollenzuschreibung verloren“

Lohmanns Zwischenfrage, ob denn die Führungskräfte in den Coachings und Workshops offen für Vorschläge wären, löste erst einmal schmunzeln aus. Sabrina Roßius, Geschäftsführerin Pflegezert, berichtete dazu aus ihrer zwanzigjährigen Erfahrung mit Pflegedirektoren: „Wir haben oft schon mit der fehlenden Rollenbeschreibung verloren. Wenn Leute die Stellen nur übernehmen, weil sie jetzt dran sind oder keinen Schichtdienst mehr wollen.“ Wichtig sei: „Wenn ich mich für eine Struktur entscheide, sollte ich die auch konsequent durchziehen.“

„Der Luxus schlechter Führung“ ist dazu gedacht, Krankenhäusern zu helfen, sich für diese neuen Strukturen zu entscheiden und diese umzusetzen. Basierend auf dem „Leaders transform culture“ Programm, das Andresen in seiner jahrelangen Zusammenarbeit als Organisationspsychologe mit Krankenhäusern entwickelt hat, werden im Buch die Schritte zu besserer Führungskultur angeleitet. Außerdem ist es den Autoren wichtig zu beleuchten, aus welchen bestehenden Praxisbeispielen man lernen kann. Denn es gebe bereits tolle Krankenhausstationen, wo es gut laufe. Von diesen gelte es zu lernen.

In bessere Führung investieren lohnt sich

Natürlich kosten Änderungen in der Führungskultur Geld. Doch die Rechnung lohne sich. Der ehemalige Vorstand der Bundesärztekammer Jonitz machte deutlich: „Würden wir eine Milliarde Euro in die Führung stecken, würden sich viele Aspekte im Krankenhaus deutlich verbessern. Höhere Qualität, mehr Patientensicherheit, höhere Effizienz, niedrigere Krankenstände, etc. Und wenn man bedenkt, dass im Gesundheitssystem alle 18 Stunden eine Milliarde Euro ausgegeben werden, ist eine Milliarde für diese Verbesserungen nicht zu viel."

Andresen schloss: „Ich würde ich wahnsinnig freuen, den Finger drauf zu legen: Führung ist nicht nice to have, sondern soll dazu beitragen, dass Führungskultur sozusagen das innerste Betriebssystem einer Organisation ist, das laufen muss. Das Buch soll die Leserinnen und Leser auch in Krisenzeiten ermutigen, die Führungskultur zu verbessern und nicht auf später zu verschieben.“ Roßius empfahl das Buch auch für die mittlere Führungsebenen und Peter Herzau bestätigte: „Hier wird den Krankenhäusern wirklich ein Rahmen mitgegeben.“

 

 

„Der Luxus schlechter Führung“
Wie Sie Krankenhauskultur zum Wettbewerbsvorteil machen

Schlechte Führung kostet Vertrauen, Leistung und am Ende Fachkräfte, die das Haus verlassen. Philipp Andresen und Dr. Benedict Carstensen zeigen in „Der Luxus schlechter Führung, warum Führungskultur im Krankenhaus kein weiches Thema ist, sondern ein harter Wettbewerbsfaktor.

2026 | 258 Seiten
ISBN: 978-3-98800-124-5
Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

 

Interessanten Input zum Thema vermitteln die Autoren des Werkes ab dem 22.07.2026 auch in einer Beitragsreihe im medhochzwei Newsletter. Jetzt den Newsletter abonnieren und keinen Beitrag verpassen!
Einen ausführlichen Nachbericht der Autoren können Sie außerdem hier lesen.

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