Neue WHO-Richtlinien sollen bei Reduzierung des Demenzrisikos helfen

20.08.2026, medhochzwei
Demenz, Prävention, Wissenschaft & Forschung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt aktualisierte Richtlinien zur Verringerung des Demenzrisikos veröffentlicht. Damit sollen den Mitgliedsländern evidenzbasierte Empfehlungen an die Hand gegeben werden, um den Beginn von Demenz im gesamten Lebensverlauf zu verhindern oder zu verzögern.

Weltweit leben mehr als 57 Millionen Menschen mit Demenz, jedes Jahr werden fast zehn Millionen Menschen neu diagnostiziert. Alzheimer ist mit geschätzt 60 bis 70 Prozent der Fälle die häufigste Form der Demenz.

Obwohl es keine Heilung für Demenz gibt, sind bis zu 45 Prozent des Risikos auf veränderbare Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum, soziale Isolation, körperliche Inaktivität, Luftverschmutzung und nicht übertragbare Krankheiten (NCDs) wie Bluthochdruck und Diabetes zurückzuführen. 

„Wir wissen heute mehr denn je darüber, was das Demenzrisiko antreibt, und diese Richtlinien setzen dieses Wissen in die Praxis um“, so Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO, anlässlich der Veröffentlichung. Die Länder hätten jetzt klare, evidenzbasierte Empfehlungen, die sie sofort umsetzen könnten, um die kognitive Gesundheit der Menschen zu schützen.

Die neuen Richtlinien der WHO spiegeln die neuesten Erkenntnisse und Innovationen zur Demenzrisikoreduktion wider und beschreiben bewährte Interventionen, die das Demenzrisiko durch frühes Bewusstsein und rechtzeitiges Handeln effektiv senken können. Sie stellen eine Chance dar, die Belastung durch Demenz in den kommenden Jahrzehnten durch eine stärkere Integration von Angeboten zu nichtübertragbaren Krankheiten, psychischer Gesundheit und Gehirngesundheit zu verringern.

Die aktualisierten Richtlinien spiegeln die gewachsene Evidenzbasis wider, seit die WHO 2019 erstmals Empfehlungen zur Reduktion des Demenzrisikos herausgegeben hat. Sie geben zusammengefasste Empfehlungen zur Reduktion ungesunder Verhaltensweisen, zur Behandlung von Erkrankungen und zur Verminderung der Exposition gegenüber Umweltfaktoren, die zu kognitivem Abbau und Demenz beitragen können.

Die Richtlinien empfehlen verschiedene gesunde Verhaltensweisen und Lebensstilinterventionen zur Reduzierung des Demenzrisikos, darunter kognitives Training und kognitive Stimulation sowie soziale Aktivitäten für Erwachsene mit normaler Kognition oder leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Die aktualisierten Empfehlungen enthalten auch Interventionen, die das Risiko von NCDs verringern, darunter die Steigerung der körperlichen Aktivität, die Verringerung des Tabakkonsums, die Reduzierung des Alkoholkonsums, die Einführung einer gesunden Ernährung sowie eine neue Empfehlung zur Reduzierung der Luftverschmutzung.

Die Behandlung kardiometabolischer Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und hohem Cholesterinspiegel kann ebenfalls dazu beitragen, das Demenzrisiko zu senken. Darüber hinaus können Hörgeräte als Teil von Risikominderungsstrategien angeboten werden.

Die Leitlinien empfehlen keine Supplementierung mit den Vitaminen B und E, Omega-3-mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Multivitaminen/Mineralstoffen als Intervention zur Verringerung des Demenzrisikos, sofern kein diagnostizierter Mangel besteht. Es würden keine Belege für potenzielle Vorteile vorliegen, die unerwartete schädliche Effekte überwiegen, so die WHO. 

Die Demenz beeinträchtigt die Fähigkeit einer Person, unabhängig zu leben, zu arbeiten und zu funktionieren, während sie erhebliche Belastungen für Familien und Betreuer darstellt. Die Erkrankung bringt einen erheblichen wirtschaftlichen Verlust mit sich und kostet die Weltwirtschaft schätzungsweise 1,3 Billionen US-Dollar jährlich. Etwa die Hälfte dieser Kosten entsteht durch unbezahlte Pflegetätigkeiten von Familien und Freunden. Das Verständnis von Risikofaktoren und Maßnahmen zur Vorbeugung von Demenz kann Gesundheit und Lebensqualität verbessern und Menschen helfen, länger, gesünder und unabhängiger zu leben.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 13/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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