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Jasmin Shmalia ist Pflegedirektorin und Vorständin / Chief Nursing Officer (CNO) des Universitätsklinikums Aachen. Seit kurzem ist sie International Ambassador für die Daisy Foundation, die den Daisy Award für Pflegende und Hebammen vergibt – einen Preis, der in Deutschland noch relativ unbekannt ist.
medhochzwei: Frau Shmalia, Sie sind seit kurzem Botschafterin für die Daisy Foundation, offiziell „Daisy International Ambassador“ – herzlichen Glückwunsch! Was ist die Daisy Foundation und worum geht es beim Daisy Award?
Jasmin Shmalia: Der Daisy Award ist eine internationale Auszeichnung für Pflegende und Hebammen, die außergewöhnliche Fürsorge, Professionalität und Mitmenschlichkeit in ihrem Arbeitsalltag zeigen. Vergeben wird er von der Daisy Foundation in den USA. Die Stiftung wurde Ende der 1990er Jahre von der Familie des Patienten J. Patrick Barnes gegründet, der an einer Autoimmunerkrankung verstarb. Seine Familie war während seiner Erkrankung tief beeindruckt von der fachlichen Kompetenz, vor allem aber von der menschlichen Zuwendung der Pflegenden. Aus dieser Dankbarkeit entstand die Idee, Pflegeleistungen sichtbar zu machen und gezielt wertzuschätzen.
Genau darum geht es auch beim Daisy Award: Pflege eine Bühne zu geben. Pflegende leisten jeden Tag Außergewöhnliches, häufig fernab der öffentlichen Wahrnehmung. Der Award schafft einen Rahmen, in dem Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Kolleginnen und Kollegen besondere Pflegeerlebnisse würdigen können.
Für mich hat der Daisy Award deshalb eine besondere Bedeutung. Er lenkt den Blick nicht nur auf die hohe fachliche Expertise unserer Berufsgruppe, sondern auch auf die menschliche Seite der Pflege: Empathie, Beziehungsgestaltung, Präsenz und Fürsorge. Diese Aspekte prägen die Qualität der Versorgung ganz wesentlich und verdienen Anerkennung. Ich sag immer ganz einfach: ich möchte damit Pflege sichtbar machen!
Als International Ambassador freue ich mich besonders darauf, den Daisy-Gedanken auch im deutschsprachigen Raum weiter bekannt zu machen. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich dieses Amt ausüben darf.
Wertschätzung ist kein „weicher Faktor“, sondern ein wichtiger Baustein für berufliche Identifikation, Motivation und eine starke Pflegekultur. Der Daisy Award setzt genau hier an und macht die Bedeutung professioneller Pflege sichtbar. Pflege hat im beruflichen Alltag wenig Zeit, das Verhalten gegenüber und die eigene Kommunikation mit Patienten und Angehörigen zu reflektieren. Durch den Award kommt genau das zur Geltung. Der schönste Beruf wird so wieder sichtbar und vor allem wird durch die Geschichten die Sinnstiftung wieder hervorgehoben. Ich bin persönlich ganz fest davon überzeugt, dass die Sinnstiftung im Pflegeberuf zu selten präsent ist, intern wie auch von außen betrachtet. Im Beruf Sinnstiftung zu finden, danach suchen viele Menschen – übrigens ja auch die tolle Generation Z.
mhz: Auch am Uniklinikum Aachen wurden schon Pflegende ausgezeichnet – wofür wurden sie nominiert?
Shmalia: Ja, wir haben den Daisy Award seit dem Frühjahr 2026 implementiert. Und ohne großes internes Vermarkten sind zahlreiche, schöne Geschichten eingegangen. Diese zahlreichen Geschichten werden dann anonymisiert durch das sogenannte Daisy-Komitee gelesen und anhand eines Bewertungsschemas bepunktet. Die Geschichte mit den meisten Punkten „gewinnt“, und die Pflegekraft oder Hebamme erhält den Award. Wir nehmen uns vor, jeden Monat eine Geschichte auszuloben und entsprechend in einem großen, feierlichen Rahmen zu würdigen. Unsere erste Gewinnerin, eine langjährige Fachkraft auf unserer Palliativstation, erhielt den Award aufgrund ihrer starken Teamleistung, aber vor allem wegen ihrer empathische Art, mit unseren Patientinnen und Patienten und Angehörigen umzugehen – gekoppelt mit hoher Fachlichkeit, Menschlichkeit und Teamstärke.
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Im Juni wurde der erste Daisy Award am Uniklinikum Aachen verliehen
Unser zweiter Award ging an eine junge Kollegin der Kinderintensivstation. Sie wurde von Eltern eines Frühchens normiert, das leider auf der Station verstorben ist. Die Zuwendung der Kollegin, auch über den Tod des kleinen Kindes hinaus, wurde in der Geschichte der Eltern sehr emotional beschrieben. Auch jetzt kriege ich beim Antworten wieder Gänsehaut, da hier sehr viel Leidenschaft, Empathie, Emotionen, Professionalität, aber vor allem auch Menschlichkeit im Vordergrund standen.
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Der zweite Daisy Award am Aachener Uniklinikum ging an eine Pflegefachperson auf der Kinderintensivstation
Man muss aber hier betonen und festhalten, dass eigentlich alle Geschichten einen Award erhalten müssten – ich sage immer, ich bin so froh, dass ich nicht im Komitee sitze, ich darf am Ende nur die „Party“ mitmachen, die Geschichte vorlesen und die Pflegekraft oder Hebamme mit einer Rede und dem Preis wertschätzen und würdigen.
mhz: Die positiven Auswirkungen dieser Anerkennung auf Arbeitsmotivation und Berufsstolz sind wissenschaftlich nachgewiesen – was bedeutet das konkret?
Shmalia: Studien zeigen deutlich, dass Anerkennung weit mehr ist als ein „schönes Extra“. Wertschätzung wirkt sich positiv auf Arbeitszufriedenheit, Motivation, Bindung an den Arbeitgeber und sogar auf die Resilienz von Mitarbeitenden aus. Gerade in der Pflege, einem Berufsfeld mit hoher Verantwortung und hoher emotionaler Belastung, ist das ein wichtiger Faktor.
Konkret bedeutet das: Wenn Pflegende erleben, dass ihr Engagement gesehen und gewürdigt wird, stärkt das ihr berufliches Selbstverständnis und ihren Berufsstolz. Es macht sichtbar, welchen Unterschied professionelle Pflege für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige tatsächlich macht. Diese Rückmeldung erhalten Pflegende im Alltag meist viel zu selten.
Der Daisy Award schafft hier etwas Besonderes. Er macht herausragende Pflegeleistungen anhand echter Geschichten sichtbar. Wenn Patientinnen, Patienten oder Angehörige schildern, wie sehr sie durch das Handeln einer Pflegefachperson unterstützt wurden, entsteht eine Form der Anerkennung, die sehr authentisch und nachhaltig wirkt. Die Betonung liegt hier auf „echte“ Geschichten, es ist nichts erfunden, nichts abstraktes. So kann sich die Pflegekraft oder Hebamme, die den Award erhält, auch sehr gut damit identifizieren.
Aus meiner Sicht fördert das nicht nur die Motivation der ausgezeichneten Person, sondern stärkt das Team und die gesamte Pflegekultur einer Organisation. Es sendet die Botschaft, dass fachliche Exzellenz, Empathie und menschliche Zuwendung gesehen und wertgeschätzt werden. Und genau diese Kultur der Anerkennung brauchen wir, um Pflegeberufe langfristig attraktiv zu gestalten und die Identifikation mit dem Beruf zu stärken.
mhz: Neben dem ursprünglichen Daisy Award gibt es inzwischen weitere Auszeichnungen – worum geht es da?
Shmalia: Ja, die Daisy Foundation hat ihr Anerkennungsprogramm in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Neben dem klassischen Daisy Award für Pflegefachpersonen gibt es heute verschiedene Auszeichnungen, die unterschiedliche Rollen und Karrierewege innerhalb der Pflege würdigen.
Dazu gehören beispielsweise Awards für Pflegeteams, Pflegepädagoginnen und -pädagogen, Pflegeleitungen, Studierende sowie Hebammen. Damit trägt die Stiftung der Vielfalt unseres Berufsfeldes Rechnung und macht sichtbar, dass gute Pflege immer das Ergebnis vieler engagierter Menschen und unterschiedlicher Kompetenzen ist.
Ich halte diese Entwicklung für besonders wichtig, weil sie zeigt, dass Exzellenz in der Pflege viele Gesichter hat. Nicht nur die direkte Versorgung am Patientenbett verdient Anerkennung, sondern auch die Leistungen von Menschen, die ausbilden, Teams führen, Innovationen voranbringen oder die Rahmenbedingungen für eine hochwertige Versorgung schaffen.
Das gemeinsame Ziel aller Daisy -Auszeichnungen bleibt dabei unverändert: außergewöhnliches Engagement, professionelle Kompetenz und menschliche Zuwendung sichtbar zu machen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels und großer Herausforderungen im Gesundheitswesen ist es wichtig, positive Beispiele hervorzuheben und die vielen Erfolgsgeschichten der Pflege stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
mhz: Was möchten Sie als „Daisy International Ambassador“ erreichen?
Shmalia: Als Daisy International Ambassador möchte ich vor allem dazu beitragen, die Bedeutung professioneller Pflege noch stärker sichtbar zu machen. Pflege ist eine hochqualifizierte Profession mit enormem Einfluss auf die Qualität der Versorgung, wird aber in der öffentlichen Wahrnehmung häufig noch nicht ausreichend gewürdigt. Der Daisy Award bietet eine wunderbare Möglichkeit, das zu verändern.
Mir geht es darum, eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung zu fördern. Wir sprechen im Gesundheitswesen oft über Herausforderungen, Belastungen und Fachkräftemangel. Das ist wichtig. Gleichzeitig müssen wir aber auch die vielen positiven Geschichten erzählen: die Momente, in denen Pflegende mit ihrer Fachkompetenz, ihrer Empathie und ihrem Engagement einen entscheidenden Unterschied für Patientinnen und Patienten machen. Denn der Pflegeberuf ist positiv! Wenn alle immer nur über das „Negative“ sprechen, kommen wir nicht aus der Spirale der o.g. Herausforderungen raus.
Darüber hinaus möchte ich Gesundheitsorganisationen in Deutschland ermutigen, sich mit dem Daisy-Konzept zu beschäftigen und Anerkennung als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur zu verstehen. Wertschätzung allein löst nicht alle strukturellen Herausforderungen, aber sie ist ein wichtiger Faktor für Motivation, Bindung und berufliche Identifikation. Und ich sage das, weil ich diese Erfahrungen gemacht habe.
Mein Ziel ist es daher, den Daisy-Gedanken weiterzutragen und dazu beizutragen, dass wir die Leistungen von Pflegenden und Hebammen sichtbarer machen. Denn wer täglich so viel für andere Menschen leistet, verdient nicht nur Dankbarkeit, sondern auch gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung. Ich tue es, auch wenn nicht immer sichtbar, täglich! Danke an alle Pflegekräfte, Hebammen, an alle im therapeutischen Team mitwirkenden, auf der ganzen Welt, für die großartige Arbeit an und rund um die Patientinnen und Patienten.
mhz: Vielen Dank für das Gespräch!