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Fast 1.000 Schüler übten Mathematik auf drei Wegen. Eine Gruppe arbeitete mit Schulbuch und Notizen, eine zweite mit einem Standard-Chatbot, von dem sich viele Schüler fertige Antworten geben ließen. Die dritte Gruppe nutzte einen KI-Tutor, der Hinweise gab, aber keine fertigen Lösungen.
Während der Übungsphase schien KI wie ein Turbo: Mit dem Standard-Chatbot lagen die Ergebnisse 48 Prozent über denen der Kontrollgruppe, mit dem KI-Tutor sogar 127 Prozent. Entscheidend war jedoch, was nachhaltig übrig blieb. In der anschließenden Prüfung ohne KI schnitt die Gruppe mit dem Standard-Chatbot 17 Prozent schlechter ab als die Kontrollgruppe, die auf klassischem Wege gelernt hatte. Die KI-Tutor-Gruppe lag gleichauf: kein messbarer Lernvorsprung, aber auch keinerlei Nachteil.
Der Wert einer Unterstützung bemisst sich daher nicht allein am kurzfristig erzielten Ergebnis. Mindestens ebenso wichtig ist, ob sie Fähigkeiten stärkt und zum eigenen Denken anregt – oder das Denken zunehmend übernimmt.
Im Care und Case Management ist dieser Unterschied vertraut. Das Verfahren soll die „Selbstsorge von Patient*innen“ fördern; am Ende sollen sie „eigenständig den Prozess steuern können“ (Kollak & Schmidt, 2019, S. 5, 98). Gute professionelle Hilfe löst daher nicht nur ein aktuelles Problem. Sie stärkt die Fähigkeit, das nächste selbst anzugehen.
Was für professionelle Hilfe gilt, sollte deshalb auch beim Einsatz von KI gelten. Gute Unterstützung zeigt sich nicht nur am schnellen Ergebnis, sondern daran, was Menschen anschließend selbst können. Wie eine reflektierte Nutzung von KI im Care und Case Management gelingen kann, ist deshalb unter anderem Thema der DGCC-Qualitätstagung am 25. September 2026.
Quellen
Bastani, H.; Bastani, O.; Sungu, A.; Ge, H.; Kabakcı, Ö.; Mariman, R. (2025): Generative AI without guardrails can harm learning: Evidence from high school mathematics. In: Proceedings of the National Academy of Sciences, 122(26), e2422633122. DOI: 10.1073/pnas.2422633122.
Kollak, I.; Schmidt, S. (2019): Instrumente des Care und Case Management Prozesses. 2., aktualisierte Auflage. Berlin: Springer. DOI: 10.1007/978-3-662-59244-1.
Dieser Beitrag stammt aus dem Case Management Newsletter 01-2026.
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