Krebspräventionswoche 2026: Früherkennung am Arbeitsplatz im Fokus

01.10.2026, medhochzwei
Prävention, Wissenschaft & Forschung

Mit einer Informationsoffensive zur Krebsfrüherkennung am Arbeitsplatz ist die Nationale Krebspräventionswoche 2026 zu Ende gegangen. Unter dem Motto „Lass mal checken“ stellten die Deutsche Krebshilfe, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Deutsche Krebsgesellschaft Unternehmen kostenfreie Informationsmaterialien und Aktionsmodule für Beschäftigte bereit. Ziel war es, über Vorsorgeangebote zu informieren und mehr Menschen zur Teilnahme zu bewegen.

Der Schwerpunkt auf die Arbeitswelt ist auch vor dem Hintergrund der Erkrankungszahlen gewählt: Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 500.000 Menschen an Krebs, etwa ein Drittel davon im erwerbsfähigen Alter. Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm-, Gebärmutterhals-, Haut- und Prostatakrebs. Seit diesem Jahr steht starken Rauchern außerdem eine Untersuchung zur Lungenkrebsfrüherkennung offen. Die Initiatoren verwiesen darauf, dass früh erkannte Tumoren oft besser behandelbar sind. Bei einzelnen Untersuchungen können sogar Vorstufen entdeckt und behandelt werden.

Unterstützung erhielt die Woche aus beiden zuständigen Bundesministerien. Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) betonte die Bedeutung von Früherkennung und der Vermeidung von Risikofaktoren als zentrale Säulen der Krebsprävention. Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs liege ein besonderer Schwerpunkt auf der Präventionsforschung. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) rief dazu auf, Vorsorgetermine wahrzunehmen: Früherkennung könne Veränderungen schon vor dem Auftreten von Beschwerden sichtbar machen und damit die Chancen einer erfolgreichen Behandlung verbessern.

Die Kampagne reagierte zugleich auf eine weiterhin geringe Beteiligung an vielen Angeboten. So nehmen nur etwa die Hälfte der berechtigten Frauen am Mammografie-Screening teil; auch die beiden Angebote zur Darmkrebsfrüherkennung erreichen zusammengenommen weniger als die Hälfte der Anspruchsberechtigten. Als Gründe nennt die Initiative unzureichende oder schwer verständliche Informationen, Sorgen vor auffälligen Befunden und lange Wartezeiten. Angebote erreichen zudem bislang vor allem Menschen mit höherem Bildungsabschluss.

Die Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft, Konstanze Blatt, plädierte deshalb für niedrigschwellige und bevölkerungsnahe Angebote. Der Arbeitsplatz sei ein geeigneter Ort, Erwerbstätige direkt zu erreichen. Als mögliche Beispiele nannte sie vereinfachte Zugänge aus anderen europäischen Ländern, etwa die postalische Zusendung von Stuhltests zur Darmkrebsfrüherkennung oder HPV-Selbsttests. Solche Angebote könnten die bestehenden Untersuchungen ergänzen und die Teilnahme steigern.

DKFZ-Vorstandsvorsitzender Michael Baumann stellte die Beteiligung als entscheidende Voraussetzung wirksamer Früherkennungsprogramme heraus. Künftig müssten besonders gefährdete Menschen gezielter angesprochen werden, nicht nur jene, die ohnehin gesundheitsbewusst leben. Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, betonte die Weiterentwicklung der Programme: Strategien sollten stärker individuelle Risikofaktoren berücksichtigen, statt sich ausschließlich an Alter und Geschlecht zu orientieren. Notwendig seien weitere Forschung und eine systematische Evaluation, damit Früherkennung gezielter, risikoadaptiert und wirksamer eingesetzt werden kann.

 

Dieser Beitrag stammt aus dem medhochzwei Newsletter 15/2026. Abonnieren Sie hier kostenlos, um keine News aus der Branche mehr zu verpassen!

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