Gibt es ein würdevolles Leben mit Demenz?

25.10.2017, medhochzwei Redaktion
Demenz, Pflege, Heilberufe

Der richtige Umgang mit Demenz erfordert ein neues Verständnis von Demenz, das sich auf die Würde der Erkrankten und auf die Gesellschaften erstreckt, die den Umgang mit ihr lernen müssen. Ob ein würdevolles Leben mit Demenz möglich sei, das leuchtete Professor Thomas Klie als Keynote Speaker auf der Konferenz von Alzheimer Europe (AE) Anfang Oktober in Berlin aus. Klie stellt die Frage, ob der Begriff der Menschenwürde für ein neues Verhältnis zum Thema Demenz tauglich sei. Menschenwürde sei ein Begriff, der einen weiten Bedeutungshof habe, gerne in der politischen Diskussion strapaziert werde, da sein Bedeutungsinhalt und seine Implikation nicht offen gelegt würden.
"Menschenwürde ist in einer verfassungsrechtlichen Betrachtungsweise ein Statusrecht: mit dem Menschsein untrennbar verbunden. Aus ihm ergibt sich ein rechtlicher Achtungsanspruch, zunächst auf Abwehr von Eingriffen in die Menschenrechte – in Freiheitsrechte etwa, auch in der eigenen Wohnung – und in die Privatsphäre.", so der Freiburger Rechts- und Verwaltungswissenschaftler.
Der Grundsatz der Menschenwürde kenne aber auch eine soziale Dimension, die sich in der Zusicherung der Zugehörigkeit und Teilhabe verdichtet. Angehörige und Nachbarn allein zu lassen mit den Sorgeaufgaben gegenüber Menschen mit Demenz sei nicht würdeverträglich. Thomas Klie betont: "Zugehörigkeit wird erlebbar in wertschätzender Interaktion, der Bedeutung, die Menschen in dem Leben anderer zukommt und in der Erfahrung, Teil der für einen relevanten Gemeinschaft und Gesellschaft zu sein. Gerade letzterer Aspekt stellt noch einmal das Beziehungsgeschehen zwischen Menschen mit Demenz und der für ihn wichtigen Menschen heraus." Würde sei eine soziale Beziehung, die essentielle Lebenserfahrungen eröffne, verbunden mit der Chance, sie zu gestalten, so Klie. Dazu gehöre es, die Bindung zu Personen und Gegenständen einzugehen, ebenso wie Liebe, Trauer, Sehnsucht, Dankbarkeit und Freude zu empfinden. 
Die Rede im Wortlaut finden Sie hier.

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