Netzwerk Evidenzbasierte Medizin fordert kritische Durchsicht des GKV-Leistungskatalogs

05.09.2018, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sollte kritisch gesichtet und jene Leistungen ausgeschlossen werden, die erwiesenermaßen nicht evidenzbasiert sind. Außerdem sollten individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) aus den regulären Sprechstundenzeiten ausgegliedert werden, weil auch sie ärztliche Kapazitäten binden. Das fordert das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk). „Notwendige Ressourcen sollten auch durch eine Reduktion von Überversorgung durch nicht evidenzbasierte Maßnahmen geschaffen werden“, kommentierte das Netzwerk den Referentenentwurf zum geplanten „Terminservice und Versorgungsgesetz“ (TSVG). Grundsätzlich sei dieser Entwurf zu begrüßen. Es irritiere jedoch, dass zur Erreichung dieser Zielsetzungen nicht die naheliegenden Schritte zur effizienteren Nutzung vorhandener Ärztekapazität, sondern ausschließlich Erweiterungen des Leistungsangebotes durch Umstrukturierungen, Erhöhung von Kapazitäten und zusätzliche Vergütungen geplant sind“, so das EbM-Netzwerk. „Zu den nicht evidenzbasierten GKV-Leistungen gehört beispielsweise das Hautkrebsscreening: Es gibt keine Evidenz, dass ein flächendeckendes Hautkrebsscreening mehr Nutzen als Schaden einbringt“, teilte das Netzwerk dem Deutschen Ärzteblatt auf Nachfrage mit. Kritisch sieht das Netzwerk auch den Gesundheits-Check-up für Personen ab 35 Jahre: „Es gibt keine Evidenz, dass generelle Gesundheitsuntersuchungen zur Verringerung von Morbidität und Mortalität führen“, so das Netzwerk. Das EbM-Netzwerk hatte sich im März dieses Jahres bereits mit einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt und mehr Evidenzbasierung bei der Gestaltung der Versorgung gefordert.

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