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Rücklagen der Krankenkassen erstmals über 20 Milliarden Euro

09.09.2018, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

Nach Meldungen des Bundesgesundheitsministeriums sind die Rücklagen der Krankenkassen auch dank anhaltender Konjunktur mit aktuell 720 Millionen Euro auf 20,1 Mrd. Euro angewachsen. Daran hat sich eine öffentliche Debatte über die Rückführung der Mittel bis zur Höhe der Mindestreserve entzündet. Im Durchschnitt entspreche dieses Polster mehr als einer Monatsausgabe und damit mehr als dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve. Einnahmen in Höhe von rund 120,3 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 119,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 3,3 Prozent gestiegen. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von knapp 0,9 Prozent einen Zuwachs von 3,8 Prozent. Der Anstieg derjenigen Ausgaben, für die die Krankenkassen Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich erhalten, lag bei 4,0 Prozent. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag bei 1,07 Prozent und damit um 0,04 Prozentpunkte unterhalb des Vergleichsquartals. Nach Umfragen der BILD Zeitung wollen die meisten Kassen ihre Zusatzbeiträge aber nicht absenken. Daher stellt sich die Frage, inwieweit das geplante Versichertenentlastungsgesetz die Krankenkassen verpflichten kann, einen Teil der Rücklagen über geringere Zusatzbeiträge an die Versicherten zurückzugeben. Die Rücklagen sind jedoch sehr unterschiedlich verteilt. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten im 1. Halbjahr einen Überschuss von rund 371 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 151 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 80 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKKen) von 40 Millionen Euro und die Knappschaft-Bahn-See von 84 Millionen Euro. Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung erzielte ein geringes Defizit von 6 Millionen Euro.

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