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Diskussion um Kostenübernahme der Kassen auf Gen-Tests bei ungeborenen Kindern

09.11.2018, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

Die Kostenübernahme von Gen-Tests auf Down-Syndrom in der Schwangerschaft ist seit geraumer Zeit ein umstrittenes, gesundheitspolitisch und ethisch debattiertes Thema. Nun hat die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) eine Stellungnahme dazu vorgelegt und unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen einer Beratungsleistung dafür plädiert.  Schwangerschaftsprobleme könne man nur mit dem Willen der Mutter lösen, argumentierte der EKD-Theologe Reiner Anselm bei der Vorstellung des Papiers. Anlass für die Stellung ist die Diskussion um die Gen-Tests an Schwangeren, die über eine Blutuntersuchung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob das ungeborene Kind das Down-Syndrom (Trisomie 21) hat. Anders als Fruchtwasser- und Plazenta-Untersuchung, die mit einem Fehlgeburtrisiko verbunden sind, werden die quasi risikolosen Tests bislang nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt, obwohl sie zugelassen sind und demnach von den Schwangeren selbst bezahlt werden müssen. Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen (G-BA) prüft derzeit, ob die Tests Kassenleistung werden sollen. Schwerpunkt des 44-seitigen Papiers sei der Aspekt der Beratung. "Nichtinvasive Pränataldiagnostik sollte nur in einem verlässlichen Rahmen psychosozialer und ethischer Beratung angeboten und durchgeführt werden", heißt es im Papier. Dort wird gefordert, eine Beratung außerhalb des ärztlichen Rahmens - beispielsweise durch die etablierten Schwangerenberatungsstellen - auch zur Kassenleistung zu machen. Kritiker haben die Vermutung, dass die Tests zu einem Anstieg der Abtreibungszahlen führen, was auch von der EKD gesehen wird, daher würde eine Kassenleistung mit Beratung einen verantwortlichen Umgang mit den Tests eher gewährleisten, als das Überlassen an die Markt- und Werbemechanismen. Die katholische Kirche übte Kritik an dieser Haltung, weil ein solcher Schritt erheblichen ethischen Bedenken mit Blick auf den Schutz ungeborenen Lebens begegne. Heftige Kritik kam auch von einer der Initiatoren einer Debatte im Bundestag, Corinna Rüffer (Grüne). Mehr als 100 Abgeordnete, die Bedenken gegen die Kostenübernahme haben, hatten vor wenigen Wochen eine Auseinandersetzung damit im Bundestag angekündigt. Rüffer hält die Vorstellung, man könne den behindertenfeindlichen Charakter dieser Tests eindämmen, wenn man ihn staatliche finanziere und die Frauen zur Beratung veranlasse, für naiv.