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TK Innovationsreport 2018: Unzureichende Antidementiva-Therapie bei einem Großteil der Demenzpatienten

03.12.2018, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Demenz, Heilberufe, Politik & Wirtschaft

Der neueste TK Innovationsreport 2018 zeigt in einem Sonderkapitel flächendeckende Fehlversorgungen bei Alzheimer-Demenz Patient*innen mit Antidementiva auf, so TK Vorstandsvorsitzender Jens Baas. Gravierende Unterversorgungen sind auch bei Demenzpatient*innen in Baden-Württemberg festzustellen: Nur ein Viertel der Alzheimer Patient*innen erhält Antidementiva, diese wichtigen den Krankheitsprozess verlangsamenden Medikamente, führt Andreas Vogt, Leiter der TK Landesvertretung Baden-Württemberg aus. 42 Prozent werden mit Benzodiazepinen behandelt. Das bedeutet, dass mehr als 200.000 Demenzkranke in Baden-Württemberg falsch versorgt werden. Diese beklagenswerte Fehlversorgung wird auch von Silvia Kern, Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg, unterstrichen. Oftmals würde gar keine Diagnose ausgesprochen, um die erforderliche Medikation für Demenzkranke aus Kostengründen zu vermeiden oder die Notwendigkeit würde in Frage gestellt. Oder Demenzpatient*innen würden einfach ruhiggestellt, um komplizierte Betreuungssituationen kurzfristig beheben zu können, so Silvia Kern. Damit würde auch Pflegeaufwand reduziert. Prof. Dr. G. Glaeske , SOCIUM Universität Bremen, betont, dass für die verabreichten beruhigenden Psychopharmaka, vor allem die Anwendung von Antipsychotika, bei Menschen mit Demenz , das erhöhte Risiko eines vorzeitigen Todes seit Jahren bekannt sei. Dies seien keine Mittel, die ein menschenwürdiges Leben für Alzheimerpatienten förderten, hier seien Maßnahmen der aktivierenden Pflege erforderlich, damit die Alltagsfähigkeiten der Demenzpatient*innen möglichst lange erhalten würden.

Zuversichtlich zeigt sich die Geschäftsführerin der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg, dass mit großen Anstrengungen bei einem frühzeitigen Erkennen und Eingreifen durch wirksame Arzneimitteltherapien die Verschlimmerung der Demenzerkrankung aufgehalten werden könne. Prof. Dr. G. Glaeske weist darauf hin, dass die Forschenden Arzneimittelhersteller, wie z.B. Pfizer aufgrund des schwierigen, klar nachzuweisenden erfolgreichen Weges in der Arzneimitteltherapie bei der Behandlung von Demenzpatient*innen, die Forschung auf diesem Gebiet eingestellt hätten. So auch bei dem Pharmaunternehmen Eli Lilly, welches große Hoffnung in die Wirksamkeit des Wirkstoffes Solanezumab gesetzt hatte. 99,6 Prozent der Studien in den Jahren 2002-2012 wären jedoch negativ verlaufen. Vielversprechend sei aktuell der biologische Wirkstoff Aducanumab der Firma Biogen, so Prof. Dr. G. Glaeske, hier hätten Studien positive Effekte im Hinblick auf die Verlangsamung des kognitiven Abbaus gezeigt.  TK Vorstandsvorsitzender Jens Baas fordert daher: „Die Zahlen zeigen, wie dringend die Versorgung von Menschen mit Demenz verbessert werden muss. Die Entwicklung neuer Therapien sollte in jedem Fall auf dem kommenden Pharmadialog eingefordert werden.“

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