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AOK PLUS testet telemedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen in Leipzig

11.01.2019, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Digital Health

In Leipzig startet die AOK PLUS gemeinsam mit zwei Hausarztpraxen und drei Pflegeeinrichtungen ein innovatives Projekt zur telemedizinischen Mitversorgung von Pflegebedürftigen. Die Projektpartner werden mit Technik-Paketen ausgestattet, die zum einen aus Tablets mit Software zur Videokonferenzkommunikation und zum anderen aus Medizinprodukten zur gesicherten Vitalparametererhebung bestehen, wie beispielsweise ein 22-Kanal-EKG, ein Pulsoximeter und ein Dermatoskop. Zusätzlich werden in das Projekt in der dreimonatigen Pilotphase Fachärzte für Gastroenterologie, für Chirurgie, für Neurologie, für HNO, für Dermatologie und für Gynäkologie integriert. Seit November 2018 werden zwei Anwendungsszenarien getestet: Einmal kann der behandelnde Arzt bei seiner Visite des Pflegebedürftigen im Pflegeheim mit Hilfe des Technik-Paketes  die relevanten Vitaldaten erheben. Für die weitere Behandlung kann der behandelnde Arzt einen Facharzt per Videokonferenz hinzuziehen. Das zweite Anwendungsszenario sieht so aus: Pflegekräfte der Pflegeeinrichtungen oder des ambulanten Pflegedienstes setzen das Technik-Paket ein, um zur weiteren Abklärung den Hausarzt per Videokonferenz zur Behandlung eines Pflegebedürftigen dazu zu schalten. Auf diesem Wege können die Pflegefachkräfte auf ärztliche Anweisung die Vitaldaten des Pflegebedürftigen erheben und die weitere Vorgehensweise abstimmen. Zudem hat der Hausarzt bei weiterem Abklärungsbedarf die Möglichkeit, einen Facharzt im Telekonsil als Dreierkonsil zu integrieren. Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege und in der haus- und fachärztlichen Versorgung von Pflegedürftigen in Pflegeeinrichtungen sollten auch telemedizinische Möglichkeiten breit ausgelotet werden, betont Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS.  Unnötige Krankenhauseinweisungen und Facharztbesuche, die für Pflegebedürftige Stressfaktoren mit sich bringen, könnten damit vermieden werden. Die Rolle der Pflegefachkraft würde somit gestärkt. Wichtig sei es, in der Testphase die technischen Anwendungen auch für andere Nutzer benutzerfreundlich und sicher zu gestalten. Ferner sei bedeutsam, die zukünftige Vergütung zu klären, führt Dr. Thomas Lipp als beteiligter Hausarzt mit seiner Notärztlichen Praxisassistentin (NäPa) aus. Nach Auswertung der praktischen Erfahrungen der Projektbeteiligten in der Pilotphase wird über eine Fortsetzung der telemedizinischen Anwendungen entschieden.

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