„Das Thema der Zukunft ist aktives individuelles Gesundheitsmanagement“ – Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach im Interview über molekulare Medizin

16.01.2019, medhochzwei
Aktuelles aus dem Verlag, Digital Health, Veranstaltungen

Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach, Geschäftsführer der Molecular Health GmbH, wird die Tischrede am 07.02.2019 zum Thema „Molekulare Medizin sowie neuartige Computing- und KI-Systeme“ halten. medhochzwei hat ihm vorab ein paar Fragen gestellt.


medhochzwei: Personalisierte Medizin, Präzisionsmedizin, molekulare Medizin – welchen Begriff bevorzugen Sie und was versteht man darunter?
Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach: Ich bevorzuge „Präzisionsmedizin“. Medizin war und ist immer schon personalisiert. Der Einbezug der molekularen Dimension ist ein neuer und ganz wesentlicher Aspekt der Präzisionsmedizin, aber es ist nicht der einzige: Bildgebung und viele andere Aspekte, ferner die Integration und Interpretation bisher nicht gekannter Mengen an „Big Data“ kommen hinzu. Und das alles wird durch künstliche Intelligenz unterstützt und via computing abgebildet: DAS ist Präzisionsmedizin.

Wo kann Präzisionsmedizin eingesetzt werden?
Es hat in der Onkologie begonnen, da Krebs eine eineindeutig molekular begründete Erkrankung ist. Aber alle Erkrankungen haben zumindest auch eine molekulare Komponente, und „Big Data“ und KI werden überall zum Zug kommen. Und mehr noch: Der wirkliche Wert der Präzisionsmedizin wird sich nicht nur bei der Behandlung, sondern mehr noch in der Vermeidung von Erkrankungen, d. h. der Prävention zeigen. Das Thema der Zukunft ist aktives individuelles Gesundheitsmanagement.

Welche Rolle spielt die Präzisionsmedizin für den Bereich Pharma?
Eine überragende: Basierend auf dem biomedizinischen Wissen und unter Einbeziehung von Wissen über Patienten kann Pharma Arzneimittel präzise designen und mit dem genauen Verständnis des Wirkmechanismus Studien exakt planen und durchführen. Das bedeutet kleinere Studiengrößen, kürzere Studiendauer, höhere Erfolgsraten von Studien und damit besser wirkende, weniger gefährliche und günstigere Medikamente für den richtigen Patienten.

Der Neurowissenschaftler Dr. Martin Hirsch sagte auf dem Hauptstadtkongress 2018, dass Deutschland derzeit die führende Diagnose-Unterstützungstechnologie besitze und er hoffe, dass diese nicht für viel Geld nach China verkauft werde. Wie können wir die Entscheidungsprozesse in Deutschland beschleunigen? Wo stehen wir aktuell mit der Präzisionsmedizin?
Wir tun uns in Deutschland schwer. Die USA, China, Japan sind viel schneller und weiter. Präzisionsmedizin wird sich nur durchsetzen können, wenn sie erstattet wird, und zwar sowohl der diagnostische als auch der therapeutische Aspekt. Die Prozeduren und Zeitaufwendungen, um dorthin zu kommen, sind bei uns langsam und aufwendig. Wir werden natürlich dorthin kommen, aber mit unserer Beschwerlichkeit wird, wie schon so oft in der Vergangenheit, die Primärwertschöpfung leider im Wesentlichen außerhalb Deutschlands stattfinden: Wir sind als Land zu wenig innovativ. Insofern stimme ich Herrn Dr. Hirsch in seiner nachdenklichen Aussage zu.


Das Tischgespräch am Vorabend findet am 07.02.2019 im Restaurant Backmulde im Rahmen des 2. Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung statt. Informationen zum Programm und eine Anmeldemöglichkeit finden Sie hier.

Anmeldungen zum Tischgespräch können noch bis 04.02.2019 online hier vorgenommen werden.

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