Konsequenzen bis zum Behandlungsfehler: Kommunikation will gelernt sein

06.02.2019, WISO S.E. Consulting GmbH
Veranstaltungen, Politik & Wirtschaft

Studien ergeben immer wieder, dass mangelnde Kommunikation zwischen den Berufsgruppen im Krankenhaus ein Risiko für Patienten darstellt, das bis hin zu Behandlungsfehlern reichen kann. „Unter dem wachsenden Kostendruck hat sich die Zusammenarbeit zwischen Pflegenden und Ärzten eher verschlechtert“, urteilt die Pflegedirektorin einer Uniklinik dennoch.

Dabei hat sich bereits vor zwei Jahrzehnten ein Pilotprojekt von Bundesärztekammer und Deutschem Pflegerat um das Problem gekümmert – vom Bundesgesundheitsministerium finanziert. Nach einer 2014 erschienen Untersuchung sagen aber 58 Prozent der Pflegekräfte und 29 Prozent der Ärzte, dass Kommunikation und Koordination zwischen ihnen „verbesserungswürdig“ seien. Selbst das Abhalten gemeinsamer Besprechungen und interprofessioneller Visiten gelingt im Klinikalltag bis heute oft nicht. Hierarchien ersetzen den Dialog.

Seit 2012 sind zwar für die ärztliche Approbation Kenntnisse in Gesprächsführung erforderlich, aber Kommunikation werde im Staatsexamen nicht genügend geprüft, kritisiert Prof. Dr. Jana Jünger, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen in Mainz. "Und was nicht geprüft wird, wird auch nicht gelehrt“, so Jünger.

An der Hochschule für Gesundheit in Bochum ist das anders: An der ersten staatlichen Hochschule in Deutschland, die ausschließlich in nichtärztlichen Gesundheitsberufen ausbildet, erlernen die Studierenden intensiv die Kommunikation mit Patienten oder in einem interdisziplinären Team in unterschiedlichsten Situationen. Dabei wird auch Körpersprache analysiert und geübt – sogar mit Pantomime.

Wie positiv sich Enthierarchisierung und ergebnisorientierte Kommunikation auswirken können, zeigt das Alexianer Krankenhaus in Berlin. Dort entwickelte Sabrina Roßius, Stationsschwester der Intensivstation, ein eigenes Arbeitszeitmodell, das Mitarbeitern mehr Flexibilität im Dienstplan gibt – und mehr Eigenverantwortung. Die Zustimmung der Kollegen war überwältigend, Roßius erhielt sogar eine Auszeichnung als „Nachwuchs-Pflegemanager des Jahres“. Auch für die Klinikleitung hat sich das Vertrauen in die Mitarbeiter ausgezahlt: Die Station hat nun keine unbesetzten Stellen für Pflegefachkräfte mehr.

Unter dem Titel „Demokratie statt Hierarchie im Krankenhaus“ diskutieren das Thema: Prof. Dr. Sven Dieterich, Vizepräsident für Studium und Lehre der Hochschule für Gesundheit in Bochum, Prof. Dr. Jana Jünger, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, und Sabrina Roßius, Stationsleiterin der Intensivstation bei den Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin.

Das Motto für den Gesundheitskongress des Westens, der am 26. und 27. März 2019 in Köln stattfindet, lautet daher: „Der Druck nimmt zu: Zeit für mutige Veränderungen!“

Der Gesundheitskongress des Westens ist der führende Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft im Westen Deutschlands. Auch in diesem Jahr werden wieder rund 1.000 Teilnehmer erwartet – vor allem Klinikmanager, Ärzte, Verantwortliche aus Gesundheitspolitik und -unternehmen, aus Forschung und Wissenschaft sowie der Pflege. Die dreizehnte Auflage der jährlich ausgerichteten Veranstaltung findet wieder im Gürzenich statt.

Weitere Infos: http://www.gesundheitskongress-des-westens.de

 

 

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