Digitalisierungsgesetz soll neue digitale Angebote breiter, schneller und mit spürbarem Nutzen für den Patienten bringen

17.05.2019, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft, Digital Health

Mit dem am 15. Mai 2019 von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgelegten Digitalisierungsgesetz erhöht er das Tempo, neue digitale Angebote breiter, schneller und mit echtem Mehrwert für den Patienten zugänglich zu machen. Zukünftig sollen Krankenkassen die Kosten übernehmen, wenn Versicherte bestimmte Gesundheits-Apps anwenden bzw. verordnet bekommen, z.B. als Helfer zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme, für Diabetiker digitale Tagebücher, für Menschen mit Bluthochdruck zum Managen ihres Bluthochdrucks, für Schwangere digitale Helfer. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) solle eine rasche Zulassung regeln, welche auch Qualitätsprüfungen und Datenschutzmaßnahmen der Apps vorsieht. Ferner sollen Versicherte und Patienten leichter an Informationen zu Videosprechstunden gelangen.  Hierzu können Ärzte auf ihrer Internetseite informieren, ob sie eine Videosprechstunde anbieten. Auch die Patienteneinwilligung und -aufklärung soll in den Videosprechstunden möglich sein und müssen nicht mehr persönlich vor Ort oder schriftlich geschehen. Die elektronischen Patientenakten sollen nicht nur bis 2021 freiwillig eingeführt werden, sondern auch mit nützlichen Inhalten befüllt werden. Ärzte in Praxen oder Kliniken sollen die Einspeicherung von Behandlungsinformationen oder Blutwerten des Patienten in seine elektronische Patientenakten vergütet bekommen. Auch Impfausweise, Mutterpässe, die Kindervorsorgeuntersuchungshefte wie auch Zahnbonushefte sollen digital dort gespeichert werden können. Ärzte sollen auch Befunde häufiger elektronisch versenden. Dies soll deutlich höher vergütet werden als die Befundübermittlung per Fax.

Bis Juni werden etwa 110.000 der insgesamt 176.000 Praxen von Ärzten und Zahnärzten an die Telematik-Infrastruktur mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen angeschlossen sein. Ab 1. Juli 2019 drohen „Offlinern“ ein Prozent Honorarkürzung und ab März 2020 2,5 Prozent.

„Der Patient von morgen wird immer noch einen Arzt brauchen – aber er wird keinen Arzt mehr ernstnehmen, der nur noch über Karteikarten arbeitet,“ betonte Jens Spahn. Er unterstrich auch die Bedeutung unserer Standards für Datenschutz und Datensicherheit, gerade im Hinblick auf die Aktivitäten internationaler Konzerne mit ihren massiven Investitionen. Das Digitalisierungsgesetz soll möglichst ab 2020 in Kraft treten. Der GKV Spitzenverband begrüßt die Bestärkung der Krankenkassen beim Ausbau ihrer digitalen Angebote. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält die Anwendung von Gesundheits-Apps in der Versorgung für hilfreich, jedoch könne nicht erwartet werden, dass jeder Arzt die vielfältigen Apps inhaltlich genau und die jeweiligen Erstattungsregelungen der verschiedenen Krankenkassen dazu kenne. 

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