BARMER Arzneimittelreport 2019: Impflücken bei Kleinkindern größer als bislang bekannt

09.08.2019, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Heilberufe

Masern zählen zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen. Weltweit sind nach Schätzungen der WHO 110.000 Menschen an Masern im Jahr 2017 gestorben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt insgesamt 13 Impfungen (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/34_18.pdf?__blob=publicationFile) In ihrem aktuellen Arzneimittelreport mit Schwerpunktthema „Impfen bei Kindern und Jugendlichen“ hat die BARMER die tatsächlichen Impfquoten auf Basis ihrer Routinedaten untersucht. Danach war im Jahr 2017 jedes fünfte zweijährige Kind nicht oder nur unvollständig gegen Masern geimpft (bundesweit knapp 166.000 Zweijährige ohne vollständigen Masernschutz). Ferner war jedes fünfte zweijährige Mädchen ohne vollständigen Schutz gegen Röteln. 3,3 Prozent der Zweijährigen hatten überhaupt keine der 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten. Auch bei den einschulungsfähigen Kindern wurde bei keiner der wichtigsten Infektionskrankheiten ein Durchimpfungsgrad von 90 Prozent erreicht. „Um aber auch Personen, die sich nicht impfen lassen können oder noch nicht geimpft sind ausreichenden Schutz zu gewährleisten, benötigen wir eine Immunisierungsrate von mindestens 95 Prozent,“ so Prof. Dr. C. Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Es würden sich auch deutliche regionale Unterschiede zeigen: Während in Bayern 5,3 Prozent der Zweijährigen überhaupt nicht geimpft wären, träfe dies in Brandenburg auf 2,2 Prozent der Zweijährigen zu. Er unterstrich die Notwendigkeit laienverständlicher u. zielgruppenspezifischer Impfkampagnen zum Abbau möglicher Ängste, zudem würden strukturierte Fortbildungsprogramme für Ärzte benötigt für den überzeugenden evidenzorientierten Dialog mit Impfskeptikern. Er befürwortete die Prüfung des Impfstatus vor Kindertagesstätten-Aufnahme und zeigte auf, wie der digitale Impfplaner als Teil der BARMER App helfen könne, Impflücken zumindest zu reduzieren. Prof. Dr. D. Grandt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Klinikum Saarbrücken und Mitglied im Vorstand der Arzneimittelkommission brachte zum Ausdruck, dass der mangelnde Impfschutz bei Kindern und Jugendlichen betroffen mache, insbesondere weil die tatsächlichen Impfquoten niedriger lägen als die bei den Schuleingangsuntersuchungen ermittelten. Er hob die Wirksamkeit eines strukturierten Versorgungsprogramms zur Verbesserung des Impfschutzes hervor. Im Rahmen des so ausgerichteten Kinder- und Jugendprogramms der BARMER hatten die teilnehmenden Kinder im Vergleich zu den nicht-teilnehmenden Kindern eine 32 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, vollständig geimpft worden zu sein. Prof. Dr. Grandt forderte entsprechend der Programme zur Krebsvorsorge eine strukturierte Vorsorge vor Infektionserkrankungen. Zu weiteren zentralen Ergebnissen des aktuellen BARMER Arzneimittelreports https://www.barmer.de/presse/infothek/studien-und-reports/arzneimittelreporte/arzneimittelreport-192562

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