„Virtuelles Krankenhaus“ für NRW geplant

14.08.2019, Sven C. Preusker
Digital Health, Politik & Wirtschaft

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat jetzt gemeinsam mit den ersten Mitgliedern des Gründungsausschusses seine Pläne zur Errichtung eines „Virtuellen Krankenhauses“ in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine digitale Plattform, die künftig die fachärztliche Expertise landesweit bündeln und besser zugänglich machen soll. Die medizinische Versorgung in Nordrhein-Westfalen solle damit deutlich verbessert werden, heißt es in einer Mitteilung.

Ziel sei zum Beispiel die Schaffung zukunftsfähiger digitaler Versorgungsstrukturen wie der elektronische Austausch behandlungsrelevanter Patientendaten oder Videosprechstunden, die für die Patientinnen und Patienten eine bedarfsgerechte, ortsnahe und qualitätsorientierte Behandlung bieten. Die Pilotphase des Virtuellen Krankenhauses soll im Frühjahr 2020 starten.

Vorbild für das nun in NRW geplante Projekt ist das von 2016-2018 in Finnland durchgeführte Projekt „Virtuaalisairaala 2.0 (Virtuelles Krankenhaus 2.0)“, welches das Ziel verfolgte, nutzerorientierte digitale Gesundheitsdienste leicht zugänglich anzubieten. Das Projekt war eine Kooperation zwischen den fünf finnischen Universitätskliniken unter der Federführung des Universitätsklinikums Helsinki. Das Projekt wurde mit insgesamt sechs Millionen Euro durch das finnische Gesundheitsministerium gefördert. Weitere sechs Millionen Euro wurden von den Bezirken beigesteuert, in denen die beteiligten Kliniken ansässig sind. 

Unter dem Namen „Health Village“ wird jetzt eine aus dem Projekt hervorgegangene Plattform angeboten, die die analogen Behandlungsstrukturen um digitale Behandlungspfade ergänzt. Vorrangiges Ziel war es, die Patienten im Umgang mit ihrer eigenen Erkrankung zu stärken. Das Health Village bietet elektronische Dienste in drei Bereichen an – einem öffentlichen Teil, einem „My Path“ genannten Teil, der digitale Behandlungspfade für Patienten abbildet, und dem „HealthvillagePRO“ für Gesundheitsfachkräfte.

Bei den Services handelt es sich um modulare Angebote, welche jeder Leistungserbringer individuell nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen kann. Der Zugriff auf die Plattform kann sowohl per Internet-Browser als auch über eine mobile Anwendung erfolgen. Das Health Village verbindet sich über eine definierte Schnittstelle mit landesweiten Anwendungen und Informationspools, unter anderem mit einer Plattform, auf der die elektronische Patientenakte hinterlegt ist. Mehr Informationen dazu unter anderem hier: www.virtuaalisairaala2.fi.

NRW-Gesundheitsminister Laumann sagte zum Start des Projektes: „Wir wollen die Zügel in die Hand nehmen und die digitale Versorgung im Gesundheitswesen besser nutzen. Trotz zahlreicher Maßnahmen und hoher Investitionen ist es bisher nicht ausreichend gelungen, ein landesweites, engmaschiges und digital unterstütztes Versorgungsnetzwerk aufzubauen. In der Vergangenheit hat es bereits eine Vielzahl von Einzelprojekten gegeben, die nach einer bestimmten Laufzeit beendet wurden. Das Virtuelle Krankenhaus soll dagegen Teil des Systems der Regelversorgung werden und schließlich ganz normal wie die anderen Leistungen des Gesundheitssystems von den Krankenkassen finanziert werden. In der Vergangenheit sind zudem die Angebote der einzelnen Träger gescheitert, weil sie nicht kompatibel waren. Auch damit muss Schluss sein.“

Für die erste Aufbauphase des Virtuellen Krankenhauses stehen als Anschubfinanzierung bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Um das Potenzial der digitalen Möglichkeiten für die Patientinnen und Patienten sowie Leistungserbringer auszuschöpfen, soll das Virtuelle Krankenhaus Kooperationen mit den einschlägigen medizinischen Spitzenzentren eingehen. Fehlt in einem Krankenhaus oder in einer Arztpraxis eine spezielle Expertise, soll das entsprechende Zentrum über ein zentrales Verzeichnis „per Mausklick“ kontaktiert werden können. Dem Gründungsausschuss obliegt nun die Klärung zahlreicher rechtlicher, organisatorischer und technischer Fragestellungen beim Aufbau des Virtuellen Krankenhauses. Die ersten Mitglieder des Gründungsausschusses stehen bereits fest: Dr. Karin Overlack, Geschäftsführerin des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) NRW in Bad Oeynhausen, Prof. Dr. Thomas Ittel, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums der RWTH Aachen, Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen, Staatssekretär a.D. Lutz Stroppe und Prof Dr. Dr. Hugo Van Aken, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Münster.

Das Virtuelle Krankenhaus soll, anders als bei bisherigen Modellprojekten oft geschehen, integrierter Bestandteil der Regelversorgung werden. Verhandlungen über die Vergütung sollen Mitte 2020 beginnen.

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