Gewinne mit Kontrastmitteln zu Lasten der Patienten und Krankenkassen

16.08.2019, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft, Recht

Erst aus den Medien (Tagesschau, NDR, WDR und SZ) wurde bekannt, dass Radiologen hohe Zusatzgewinne mit dem Einsatz von Kontrastmitteln machen können. Das sorgt derzeit für Unruhe in der Gesundheitspolitik, bei den Krankenkassen und nicht zuletzt bei den Patienten. Auf Basis von internen Unterlagen aus Radiologiepraxen und von Pharmaherstellern hatten die Medien berichtet, dass Ärzte Kontrastmittel für Aufnahmen in Computertomografen (CT) oder Magnetresonanztomografen (MRT) günstig einkaufen und ein Vielfaches des Preises in Form von Pauschalen von den Krankenkassen erstattet bekommen. Mit jedem MRT- oder CT-Gerät könnten Radiologen auf diese Weise knapp 100.000 Euro Gewinn im Jahr machen. Nach Schätzungen würde dies die Versicherten jährlich knapp 200 Millionen Euro kosten. Der finanzielle Anreiz führe offenbar auch dazu, dass Ärzte in Bundesländern mit lukrativen Pauschalen bei ihren Patienten häufiger Untersuchungen mit Kontrastmitteln durchführen als in anderen Bundesländern - und somit häufiger, als es medizinisch nötig wäre. Neben der problematischen ökonomischen Seite liegt hier offenbar auch ein gravierendes Fehlversorgungspotential mit möglichen gesundheitlichen Schäden für die Patientinnen und Patienten zugrunde.

Dies verdeutlicht einmal mehr, dass die Kassen bei der Abfassung von Verträgen offenbar geringe Kenntnisse über die industrielle Preisgestaltung haben. Wenn sich die Fakten bestätigen, müssten die fraglichen Konditionen schnellstens angepasst werden, um nicht gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot zu verstoßen. Inzwischen hat sich auch das BMG eingeschaltet und die Krankenkassen um Aufklärung des Sachverhaltes gebeten. Die Radiologen wehren sich gegen die aktuelle Berichterstattung, die als unvollständig und in ihrer Aussage als falsch bezeichnet wurde. So seien die Preise der Lauer-Taxe entnommen und von den Krankenkassen bezahlt worden. Die Pauschalen würden preislich günstiger sein und zu erheblichen Einsparungen führen. Es sei auch zu keiner Mengenausweitung gekommen. Die Radiologen würden zu Unrecht angeprangert und geradezu kriminalisiert, kritisierte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. Dabei hätten sie regelgerecht nach den Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet.

 

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