Aktuelle Schätzungen des RKI zu den im Krankenhaus erworbenen Infektionen und deren Krankheitslast

03.12.2019, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Heilberufe, Politik & Wirtschaft

Zusammen mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten in Stockholm und dem Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance nosokomialer Infektionen an der Charité Universitätsmedizin Berlin legt das Robert–Koch Institut (RKI) neue Schätzungen zu den im Krankenhaus erworbenen Infektionen (nosokomiale Infektionen) und deren Krankheitslast in sog. Disability-Adjusted Life-Years (DALY) für Deutschland vor. Für die Hochrechnung wurden fünf, der im Krankenhaus erworbenen Infektionen herangezogen: Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen, Wundinfektionen, Clostridium difficile-Infektionen und Blutstrominfektionen. Diese umfassen 80 Prozent der im Krankenhaus erworbenen Infektionen. In der neuen Studie werden die nosokomialen Infektionen auf 400.000 bis 600.000 Fälle pro Jahr geschätzt. Die Todesfälle wurden mit einer weiterentwickelten Methodik noch verlässlicher erfasst. Sie liegen jetzt bei 10.000 bis 20.000, wohingegen sie früher bei 10.000 bis 15.000 Fälle geschätzt wurden. Die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre durch nosokomiale Infektionen belaufen sich auf knapp 250.000 pro Jahr oder 309 pro 100.000 Einwohner. Der Anteil der Patienten, die während eines Krankenhaus-Aufenthaltes eine Infektion erleiden, beträgt in Deutschland 3,6 Prozent. In der EU beläuft sich der Anteil auf 5,5 Prozent. Zieht man aus Public Health Perspektive jedoch die Bevölkerungsebene heran, so liegt der Wert für Deutschland bei 500 bis 650 Erkrankten pro 100.000 Einwohner, während in der EU 450 bis 500 Patienten pro 100.000 Einwohner sich eine nosokomiale Infektion zuziehen. Dies liegt daran, dass Deutschland die höchste Anzahl an Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner hat und die zweithöchste Anzahl an Krankenhauspatienten pro 1.000 Einwohner. Daher betont Lothar H. Wieler, Präsident des RKI, die Bedeutung der Reduktion vermeidbarer Krankenhausaufenthalte und eine effektive Infektionsprävention hätten eine hohe Priorität, um die durch nosokomiale Infektionen verursachte Krankheitslast deutlich zu senken.

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