Studie: Rabattverträge im Exklusivmodell sollen die Arzneimittelversorgung gefährden

03.12.2019, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft

Die zunehmenden Arzneimittellieferschwierigkeiten bestimmen u.a. die aktuelle gesundheitspolitische Diskussion. Nun haben Forscher nach Mitteilung von progenerika  zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen dem Rabattvertragsmodell und Lieferproblemen von Arzneimitteln wissenschaftlich untersucht. Die von Pro Generika in Auftrag gegebene Studie des IGES Instituts zeigt: Rabattverträge mit einem einzigen Hersteller führen öfter zu versorgungskritischen Situationen als solche, die mit mehreren Unternehmen geschlossen werden. Erst vergangene Woche hatte das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) der ABDA eine Studie vorgelegt, die alle Rabattarzneimittel auf ihre Verfügbarkeit in den vergangenen Jahren analysiert und herausgefunden: Die Anzahl der nicht verfügbaren Rabattarzneimittel hat sich von 4,7 Millionen in 2017 auf 9,3 Millionen Packungen in 2018 verdoppelt. Jetzt lässt die IGES-Studie einen weiteren Schluss zu: Dass ein Apotheker ein anderes als das Rabattarzneimittel abgegeben musste, kommt immer dann besonders oft vor, wenn der Rabattvertrag im Exklusivmodell geschlossen wurde. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie: 60 Prozent der Verordnungen, die vom Apotheker mit dem Hinweis auf eine Lieferunfähigkeit abgegeben wurden, stammten ursprünglich aus Rabattverträgen mit nur einem Hersteller. Bei einigen Wirkstoffen lag der Anteil sogar bei knapp 90 Prozent. Exklusivverträge wurden im Betrachtungszeitraum verstärkt von Kassenarten wie der Ersatzkrankenkassen und der AOK abgeschlossen, andere Kassenarten setzten hingegen auf Rabattverträge mit mehreren Herstellern.

 

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