Schwerstkranke Patienten sterben noch immer häufiger im Krankenhaus als gewünscht

20.12.2019, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Campus & Karriere, Heilberufe

Der Anteil der Menschen, die im Krankenhaus sterben, war lange rückläufig. Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts aus dem Jahre 2016 versterben noch 46 Prozent im Krankenhaus. Das sei viel zu viel, betonte Prof. Dr. med. Jana Jünger, Leiterin des für Staatsprüfungen von Ärzten zuständigen Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), da es nicht den Wünschen der Patientinnen und Patienten entspräche. Sie setzt sich dafür ein, mit Ärzten regelrecht die Kommunikation mit Patienten über ihre Wünsche und Vorstellungen über das Sterben angesichts des herannahenden Todes zu üben. Die Ursachen des Versterbens im Krankenhaus sind vielfältig: Gerade hochbetagte Menschen würden häufig mit Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie in wenigen Tagen dort versterben, meint Frau Angela Carollo vom Max-Planck-Institut. Menschen mit schweren, unheilbaren Krebserkrankungen, würden noch in den letzten Wochen ihres Lebens eine Therapie erhalten. Dies bestätigen Auswertungen von Abrechnungsdaten der BARMER aus den Jahren 2012 bis 2015: Etwa 15 Prozent dieser schwerkranken Tumorpatienten erhalten noch eine Chemotherapie in den letzten 30 Tagen ihres Lebens; dies geschieht im Krankenhaus. Doch häufig läge es an der Kommunikation zwischen dem Arzt bzw. der Ärztin und dem Patienten, führte Jünger aus. „Krankheit und Wahrheitsmitteilung am Krankenbett, das ist immer ein Prozess“ schildert Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (dhpv). Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass Netzwerke geknüpft würden, die gut funktionieren, in denen alle zusammenarbeiten, spezialisierte Teams der Palliativversorgung und ambulante Betreuungsdienste, auch insbesondere Altenheime und palliative Netzwerke. Aus Sicht der BARMER ist auch ein würdevolles Sterben im Krankenhaus möglich, bedeutsam sei es, dass Patientinnen und Patienten in die Therapieentscheidung mit eingebunden würden. Jünger erklärte, dass Fehlanreize im Gesundheitswesen auch ihren Teil dazu beitrügen. „Es kann nicht sein, dass der Mammon uns die Moral vorschreibt… wir müssen sagen: Das machen wir nicht aus Gründen der Patientensicherheit und Patientenwürde.“

 

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