„Netzwerkarbeit ist auch nach der Corona Krise aktuell wie nie zuvor“

08.04.2020, medhochzwei
Interviews, Aktuelles aus dem Verlag, Versorgungskonzepte

Ihr aktuelles Buch hat den Titel „Zukunft braucht Mut“. Der Inhalt besteht aus 22 Kolumnen, die in den letzten 13 Jahren erschienen sind. Ist das nicht ein Widerspruch?

Das haben wir bei Durchsicht der Kolumnen zunächst auch gedacht. Dann waren wir aber doch einigermaßen erschrocken. Unsere anfängliche Befürchtung, die in den Texten bezogenen Positionen und die aufgestellten Forderungen könnten durch den Zeitablauf überholt sein, hat sich bei der Lektüre schnell verflüchtigt. Das ist ein Ergebnis, das bei Veröffentlichungen aus einem so langen Zeitraum nicht unbedenklich ist. Zeigt es doch die gemächliche Dynamik der Gesundheitswirtschaft.

Der Inhalt der Kolumnen ist zweifelsfrei zukunftsgerichtet. Was sind die zentralen Themen?

Ganz im Zentrum stehen für uns bei LOHMANN konzept von Anfang an die Patienten. Ihre Position auf dem Gesundheitsmarkt muss gestärkt werden. Dazu ist vor allem Information ein ganz wichtiger Faktor. Das Internet hat in den vergangenen Jahren erheblich dazu beigetragen, diesem Ziel näher zu kommen. Für die Zukunft erwarten wir hier noch eine gewaltige Entwicklung. Es besteht die Chance, den Patienten auch zum Konsumenten zu machen.

Ihr Motto lautet schon seit den 1990er Jahren „Gute Medizin zu bezahlbaren Preisen“ für alle. Wie steht es mit dieser Forderung heute?

Nur ein fairer Wettbewerb unter allen Akteuren um die beste und günstigste Lösung sichert den Patienten dauerhaft den Zugang zu innovativer Medizin. Eine kluge Gesundheitspolitik befördert die Qualitäts- und Preistransparenz, weil dies den Patienten wirklich hilft. Unser Vorschlag dazu ist es, eine „Stiftung Gesundheitstest“ zu schaffen. Was die Verwirklichung dieser Ideen angeht, gibt es Licht und Schatten. Insgesamt ist aber noch viel Luft nach oben.

Ist da nicht die aktuelle Diskussion um die generelle Wiedereinführung des Selbstkostendeckungsprinzips, wie bei der Krankenpflege bereits vollzogen, eher kontraproduktiv?

Ja, es wäre fatal gerade jetzt unter dem unmittelbaren Eindruck der Corona Krise kopflos in die falsche Richtung zu marschieren. Den mühsam in den 1990er Jahren vorangetriebenen Leistungsbezug im Entgeltsystem durch Pflexit und Äxit jetzt rückgängig zu machen, wäre ein Schlag ins Gesicht der Patienten. Ihr Einfluss würde ausgerechnet in einer Zeit verstärkter Patientensouveränität blockiert. Richtig ist deshalb vielmehr, nach der Krise über eine grundlegende Weiterentwicklung des bisherigen DRG-Systems zu entscheiden und dabei den ausschließlichen Diagnosebezug um das Patientenwohl zu ergänzen. Machen wir aus den DRGs die PRGs – die Patient Related Groups. Wenn nicht, werden die Patienten sich mehr und mehr auf den neuen Märkten, die von den Internetriesen dominiert werden, nach für sie attraktiven Leistungen umschauen und den tradierten Anbietern nach und nach den Rücken zukehren.

Also es gibt auch in Zukunft für die Netzwerkarbeit von LOHMANN konzept viel zu tun.

Absolut. Und die rasante Entwicklung der Digitalisierung macht zudem vieles leichter als am Beginn vor 15 Jahren. Die Idee von LOHMANN konzept, innovative Akteure der Gesundheitswirtschaft im Interesse der Patienten miteinander zu vernetzen, ist aktuell wie nie zuvor, gilt es doch nach der Corona Krise nicht zur alten Normalität zurück zu kehren, sondern die künftige Modernität zu gestalten.


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Heinz Lohmann
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Soeben erschienen im medhochzwei Verlag

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