Wir müssen radikaler denken

08.04.2020, Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt
Autorenkommentare


Das KDA hat sich mit einem Positionspapier, das öffentlich vorgestellt wurde, an der Pflegereformdebatte beteiligt. Der Tenor war: radikal denken: keine Finanzierungsreform ohne Strukturreform.

Gemeint sind veränderte Versorgungslandschaften durch mehr kommunale Steuerung in Bezug auf notwendige Differenzierungen der Wohnformen im Alter. Das System braucht keine Reform kleiner Bausteine, sondern eine Mutation ihres Strickmusters. Ein anderer Film muss in der Versorgung ablaufen im Rahmen von lokalen sorgenden Gemeinschaften in einer regionalen sozialen Infrastruktur. Das KDA will nun die Debatte erweitern.

Das SGB XI muss um Strukturfragen des SGB V erweitert werden. Gemeint ist der Umbau des Krankenhaussektors. Für den weiteren Bettenabbau für die alltägliche akutmedizinische Versorgung gibt es gute Gründe. Aber nur dann, wenn die sozialraumorientierte Versorgung gesichert ist. Dazu müssen wir hier einen radikal anderen Weg einschlagen: Mehr Primärversorgung durch multiprofessionelle Versorgungszentren in den Quartieren. Dann verändern sich auch die Fallzahldynamiken im Krankenhaussektor. Die Menschen werden lebensweltnäher versorgt, anders, besser versorgt. Das wäre dann auch eine andere Kultur der Medizin. „Corona“ wirft noch ein neues Thema auf: Alle wissen nun, dass Globalisierung meint: Die Erde ist ein Dorf. Wir werden uns mit Versorgungsstrukturen auch auf die Zukunft globaler Pandemien neu aufstellen müssen.

Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe und Herausgeber der Fachzeitschrift ProAlter

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