Treffen mit Oma und Opa: Trotz Lockerung nicht den Menschenverstand ausschalten

20.05.2020, René Adler
Politik & Wirtschaft

Auch wenn das öffentliche Leben mehr und mehr hochgefahren wird, habe sich an den Gefährdungen für ältere Menschen nichts geändert. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hingewiesen und zur Vorsicht gemahnt. „Ein Besuch der Enkelkinder bei den Großeltern – für eine beschränkte Zeit, ohne körperlichen Kontakt und unter Einhaltung der nun allen bekannten Hygieneregeln - ist sicher kein Problem“, erklärte DGG-Präsident Prof. Hans Jürgen Heppner. Der Chefarzt der Klinik für Geriatrie am Helios Klinikum Schwelm betonte jedoch zugleich: „Aber auch nach den politischen Lockerungen ist SARS-CoV-2 noch nicht verschwunden!“

In den vergangenen Wochen hätten die Deutschen viel über Hygieneregeln, Disziplin und gegenseitige Rücksichtnahme gelernt. Daher sei es auch an der Zeit, darüber nachzudenken, wie sich Familien wieder treffen könnten. „Eine von der Politik genehmigte Lockerung von Beschränkungen ist nicht gleichzusetzen damit, seinen klugen Menschenverstand auszuschalten“, so Heppner. Das heiße: Besuche ja, aber unter Auflagen, damit eine Infizierung von Menschen in Risikogruppen weiter vermieden werde.
 
Heppner sieht auch die schwierigen Aspekte von Kontaktbeschränkung und Isolation: Folgen für das seelische und körperliche Wohlbefinden. „Wir wissen alle, wie sehr Familien, und besonders Großeltern, darunter leiden, einander nicht treffen zu können. Aber lassen Sie es langsam angehen, damit wir nicht Gefahr laufen, dass Beschränkungen wieder eingeführt werden müssen.“ Einem gemeinsamen Spaziergang, einer kleinen Kaffeetafel auf der Terrasse oder einem Plausch über den Gartenzaun mit den Kindern und Enkelkindern stehe aber nichts im Wege. Im Gegenteil werde es allen guttun, sagte der Geriater.
 
Aber was ist, wenn die Großeltern 500 Kilometer entfernt leben und die Verwandten gerne über Nacht bleiben würden? „In diesem Fall würde ich trotz aller Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt davon abraten, ein ganzes Wochenende bei den Großeltern zu verbringen“, verdeutlichte der DGG-Chef. Darüber hinaus gebe es zwei große Ausnahmen: Wenn Oma oder Opa chronisch krank sei und an einer ausgeprägten Lungenerkrankung oder einer schwer einstellbaren Zuckerkrankheit leide, sollten Besuche weiter vermieden werden.

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