Neue Umfrage: Wie die alternde Gesellschaft dem Tod begegnet

19.05.2020, René Adler
Versorgungskonzepte

Deutschland ist nach Japan die zweitälteste Gesellschaft der Welt. Dennoch gilt der Tod häufig als Tabu-Thema. Wenn man die Menschen direkt fragt, haben sie aber ziemlich genaue Vorstellungen über ihr Lebensende. Dies zeigt die neue Studie „Auf ein Sterbenswort: Wie die alternde Gesellschaft dem Tod begegnet“.

In den nächsten Jahrzehnten werden die Sterbefälle hierzulande weiter ansteigen. Während heute die über 80-Jährigen rund sechs Prozent der Bevölkerung stellen, wird ihr Anteil künftig weiter wachsen. Vorboten dieser Entwicklung sind entlegene Regionen, wo schon heute viele Ältere leben und die Jungen sich mit dem Schulabschluss in Richtung Großstadt verabschieden. Die Wissenschaft geht davon aus, dass in einigen Landkreisen im Jahr 2035 auf eine Geburt vier Todesfälle kommen dürften. Aktuell liegt das Verhältnis bei eins zu zwei.
 
Gemäß Studie vom Berlin-Institut in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung und der Software AG – Stiftung sind die Wünsche klar: Die Mehrheit der Befragten will schmerzfrei, nah am Gewohnten, selbstbestimmt, sozial eingebunden und gut versorgt aus dem Leben scheiden. Dies gilt für Frauen wie Männer, Junge wie Alte, Arme wie Reiche, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Drei von vier Befragten würden am liebsten sterben, ohne pflegebedürftig geworden zu sein oder ihre vertraute Umgebung verlassen zu haben. Jeweils 80 Prozent hoffen, auf nahestehende Angehörige und eine gute medizinische Versorgung vertrauen zu können. Neun von zehn Befragten möchten ohne Schmerzen sterben.
 
Die Mehrheit erklärt sich bereit, Angehörigen und Freunden im Sterben beizustehen, allerdings sind 27 Prozent noch unentschlossen. Je kleiner der Wohnort, desto eher vermissen die Bewohner ambulante palliativmedizinische Angebote sowie Hospize. Tatsächlich finden sich in Großstädten pro Kopf mehr Hospizbetten. Laut Studienautoren brauchen Begleiter neben Informationen über den Sterbeprozess Entlastung durch palliative Dienste, das soziale Umfeld und den Arbeitgeber. Sie empfehlen darüber hinaus, im bürgerschaftlichen Miteinander eine Sorgekultur zu fördern.

 

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