„Gerontologin der ersten Stunde“: Ursula Lehr wird 90 Jahre alt

20.05.2020, René Adler
Köpfe, Politik & Wirtschaft

Ursula wer? Ursula Lehr! Den Jüngeren unter Ihnen dürfte der Name kaum etwas sagen, den Älteren sehr wohl: Prof. Dr. Dr. h.c. Ursula Lehr, ehemalige Bundesministerin unter Kanzler Helmut Kohl, gilt als Pionierin der Alternsforschung und feiert am 5. Juni ihren 90. Geburtstag.

Lehr gründete das Institut für Gerontologie und das Deutsche Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg. 1988 bis 1991 war sie Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. In dieser Zeit verantwortete sie den ersten Altenbericht der Bundesregierung und die Verabschiedung des Bundesaltenplans.
 
Von 2009 bis 2015 war die Diplom-Psychologin Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) und bis 2018 Stellvertreterin. Bis heute setzt sie sich als Ehrenvorsitzende für ein positives Altersbild und geeignete Bedingungen für ein aktives Altern ein.
 
Ein Schwerpunkt ihrer Forschungstätigkeit war die berufliche Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. In den 1960er-Jahren konnte sie die Vorteile einer nach beiden Seiten flexiblen Altersgrenze nachweisen. Dennoch waren und sind Ältere im Job oft Diskriminierungen ausgesetzt. Lehr forschte auch zur Vorbereitung auf die Pensionierung und zur kreativen Gestaltung danach.
 
Bei einem heute selbstverständlichen Thema war die gebürtige Frankfurterin ihrer Zeit weit voraus und rief Kontroversen mit ihrer CDU/CSU-Bundestagsfraktion hervor: Sie forderte bereits im Jahr 1989 Kinderbetreuung schon für über Zweijährige – wegen der starken Zunahme von Einzelkindern, bei deren Entwicklung der soziale Einfluss von Geschwistern fehle.

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