Finanzielle Perspektiven der Krankenkassen äußerst kritisch

22.05.2020, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft, Coronavirus

Bereits vor der Corona-Krise war die finanzielle Situation der Krankenkassen angespannt. Erstmal seit Jahren wurde wieder ein Defizit eingefahren. Nun prognostizieren die Krankenkassen für 2020 ein Defizit von fast 15 Mrd. Euro. Das berichten Tagesspiegel und Handelsblatt aus einem internen Positionspapier. Komme es dazu, bedeutet dies eine Verdoppelung des durchschnittlichen Zusatzbeitrages. Die prekäre Lage der Krankenkassen wird von mehreren Seiten gleichzeitig verschärft. So wirken zahlreiche Reformgesetze der vorigen und laufenden Legislaturperiode deutlich kostensteigernd, allein das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz mit rund 5 Mrd. Euro. Hinzu kommen die Pandemie bedingten Kosten von bis zu einer Mrd. Euro und die möglichen Einbrüche auf der Einnahmenseite wegen der zugleich einbrechenden Konjunktur, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Beitragsstundungen werden auf rund 2 Mrd. geschätzt. Inzwischen machte die GKV deutlich, dass ohne stützende gesetzliche Maßnahmen die Krankenkassen zum Jahreswechsel 2020/2021 auf einen existenziell bedrohlichen Liquiditätsengpass zusteuern. Es hat kürzlich ein Gespräch zwischen den Kassenspitzen und dem BMG gegeben. Man sei sich in „einer offenen und konstruktiven Atmosphäre“ darüber einig gewesen, „spätestens im Herbst mit dem Bundesfinanzminister über einen höheren Bundesanteil an der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung zu sprechen“, so die Vorstandsvorsitzende Doris Pfeiffer. Später dürfte die Entscheidung auch nicht fallen. Denn im Oktober kommt der GKV-Schätzerkreis zusammen, um über den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für 2021 zu beraten.

 

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