Aktionstag gegen den Schmerz

05.06.2020, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Heilberufe, Coronavirus

Über 22 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen, sechs Millionen sind von einem schweren, anhaltenden Schmerzsyndrom betroffen und davon leiden 2,2 Millionen Menschen auch unter psychischen Beeinträchtigungen. Angesichts dieser Prävalenzen hat die Deutsche Schmerzgesellschaft mit ihren Partnerorganisationen zum bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz (02.Juni) dazu aufgerufen, den durch die SARS-CoV-2 Pandemie noch erschwerten Zugang zur bedarfsgerechten Schmerztherapie aktiv anzugehen. Schmerzbehandlung sei ein Patientenrecht, betont Professorin Dr. med. Claudia Sommer, Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V., Leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg. Praxen und Kliniken hätten sehr gute Hygiene- und Sicherheitskonzepte, die umgesetzt würden. Über 150 Einrichtungen nehmen am Aktionstag des Schmerzes teil.  Betroffene können zudem die niedrigschwelligen Sofortmaßnahmen, wie Beratungsangebote per Telefon oder Videosprechstunde und die gezielten Informationsangebote zu einzelnen Schmerz-Krankheitsbildern breitflächig nutzen.  Auch sollten unbürokratische Ausnahmeregelungen bei gruppentherapeutischen Reha-Angeboten und eine befristete Ausnahmegenehmigung für ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungen von Schmerzpatienten oberhalb der genehmigten Fallzahlgrenze realisiert werden, meint Heike Norda, 1. Vorsitzende der unabhängigen Vereinigung aktiver Schmerzpatienten in Deutschland SchmerzLOS. Die kontinuierliche Versorgung sei gerade für Schmerzpatient*innen von herausragender Bedeutung.  Ruth Boche, Sprecherin der Pflegeexperten Schmerz im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) unterstreicht, die Rolle der Pflegeexperten Schmerz als wichtiger kontinuierlicher Ansprechpartner für Patienten mit Schmerzen. Sie würden gemeinsam mit den Betroffenen hilfreiche nicht medikamentöse Maßnahmen, wie gezielte Bewegungsübungen, Unterstützungsmöglichkeiten bei der Lagerung, Wärme- und Kälteanwendungen anwenden u.ä. Der Verband setzt sich angesichts der Lehren aus der Corona-Krise für einen verstärkten Abbau der Sektorengrenzen, erweiterte Rollen wie des Advanced Practice Nursing (APN), die Förderung des Tele-Nursing und der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zur Schmerztherapie ein. Professorin Dr. med. Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, wendet sich direkt an die Betroffenen mit dem Appell: „Nehmen Sie die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen wahr, fragen Sie nach und fordern Sie aktiv Unterstützung ein.“ Die Politik sei weiterhin gefordert, diese wichtigen Beratungsangebote von Medizinern, Pflegenden und Aktiven in der Selbsthilfe zu stärken und die Rahmenbedingungen für eine gute Schmerztherapie auszubauen, unterstreicht Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

 

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