Innovative Wohnformen für Pflegebedürftige werden immer beliebter

24.06.2020, René Adler
Pflege

Innerhalb eines Modellprogramms zur Weiterentwicklung neuer Wohnformen für Pflegebedürftige nach § 45f SGB XI hat der GKV-Spitzenverband in den vergangenen Jahren 53 Projekte gefördert. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) hat die Projekte zusammen mit der Prognos AG im Hinblick auf ihre Konzeption, Angebotsstruktur, Umsetzung, Kostenstruktur und Rahmenbedingungen untersucht und vor allem die Bewohner befragt. Nicht nur deren Bilanz fiel sehr positiv aus. Dennoch sorgt sich die Projektleiterin um die Zukunft solcher Vorhaben.

Die Menschen mit Pflegebedarf der untersuchten Modellprojekte äußerten eine große Zufriedenheit darüber, dass die Leistungsangebote an ihre individuellen Bedarfe und Lebensgewohnheiten angepasst sind und sie Einfluss auf deren Gestaltung nehmen können. Gleichzeitig schätzen sie die hohe Versorgungssicherheit in den neuen Wohnformen und die sozialen Teilhabemöglichkeiten. „Die wissenschaftlich erhobenen Ergebnisse aus dem Modellprogramm zeigen, dass neue Wohnformen sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner als auch für deren Angehörige, aber auch für Mitarbeitende und Initiierende in vielerlei Hinsicht einen Mehrwert aufweisen“, sagte Projektleiterin Ursula Kremer-Preiß vom KDA.
 
Und neue Wohnformen werden immer beliebter: In den vergangenen Jahren hat sich ein breites Spektrum an Wohn- und Versorgungsmöglichkeiten für Menschen mit Pflegebedarf entwickelt – auch gefördert durch Reformen bei der Pflege- und Heimgesetzgebung. Zwischen Heim und Häuslichkeit sind viele neue Wohnformen entstanden, wie selbstorganisierte gemeinschaftliche Wohnformen/Mehrgenerationenwohnprojekte, Betreutes/ServiceWohnen, ambulante Pflegewohn- und Hausgemeinschaften sowie integrierte Konzepte einschließlich der Quartierskonzepte. Nach Schätzungen leben heute zwischen 180.000 und 250.000 Menschen mit Pflegebedarf in solchen neuen Wohnformen – und damit mindestens ein Viertel so viele wie in stationären Einrichtungen. „Es ist also kein Nischenangebot mehr für wenige ausgewählte Interessierte, sondern neue Wohnformen etablieren sich zunehmend als weitere Säule im Wohn- und Versorgungsspektrum für Menschen mit Pflegebedarf“, so Kremer-Preiß.
 
Doch von Eitel Sonnenschein könne keine Rede sein. „Wir betrachten mit Sorge die aktuell vor allem auf Kostengesichtspunkte reduzierte Debatte über neue Wohnformen und die teilweise auf ausgewählte pflegesensitive Qualitätsaspekte beschränkten Qualitätsnachweise. Die Ergebnisse des Modellprogramms zeigen deutlich, dass solche Wohnformen den Bedarfen der Menschen mit Pflegebedarf ganzheitlich entsprechen“, betonte die Projektleiterin. Auch für Helmut Kneppe müssen die neuen Wohnformen weiter ausgebaut werden. Der Geschäftsführende Vorstand des KDA stellte fest: „Gerade die Corona-Krise führt uns noch einmal die Schwächen in der bestehenden Wohn- und Versorgungsstruktur für Menschen mit Pflegebedarf eindringlich vor Augen: Wir brauchen in Zukunft mehr Wohnformen, in denen Autonomie, Versorgungsicherheit und Teilhabe anders ausbalanciert werden – hierfür geben die neuen Wohnformen vielfältige Anregungen.“

In einer neu vom KDA erstellten und vom GKV-Spitzenverband herausgegebenen Arbeitshilfe sind die Erkenntnisse des Modellprojekts praxisnah aufbereitet worden. Sie beschreibt den Mehrwert ebenso wie die Grenzen neuer Wohnformen für Menschen mit Pflegebedarf. Ausführlich werden Beispiele der Umsetzung beschrieben, inklusive Checkliste. Förder- und andere Unterstützungsmöglichkeiten werden auch aufgezeigt.

 

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