Milliardendefizit in der GKV, Gesundheitsfonds im Minus

26.06.2020, Rolf Stuppardt, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Politik & Wirtschaft, Coronavirus

Das BMG vermeldet für die ersten drei Monate des Jahres ein Defizit der GKV in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Ende des Jahres verzeichneten die Krankenkassen insgesamt noch 19,8 Milliarden Euro an Finanzreserven, diese sind Ende März auf 18,3 Milliarden geschrumpft. Damit entsprachen sie im Durchschnitt noch 0,83 Monatsausgaben. Die gesetzlich vorgesehene Mindestreserve für die einzelnen Krankenkassen beträgt 0,2 Monatsausgaben. Trotz eines zugesicherten zusätzlichen Bundeszuschusses in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für das laufende Jahr, entwickelt sich die Finanzlage ungünstig. Das war auch schon vor der Corona-Krise der Fall. Bekanntlich schrieben die Krankenkassen 2019 erstmals seit Jahren wieder ein Minus von 1,5 Milliarden Euro. Gleichwohl bleibt abzuwarten, inwieweit sich die vagen Prognosen über ein 14-Milliarden-Defizit in diesem Jahr angesichts der eher moderaten Andeutung des 1. Quartals auch tatsächlich bestätigen. Wie jedes Jahr sind gerade die Zahlen des ersten Quartals noch wenig aussagekräftig, weil belastbare Voraussagen fürs Jahr erst im Herbst möglich sein werden, zumal die Wirkungen der Pandemiekosten wegen des unbekannten Verhältnisses der Ausgaben infolge der Pandemie und der Einsparungen durch die gesunkene ambulante und stationäre Nachfrage bei anderen Indikationen jetzt überhaupt noch nicht absehbar sind. Weitere Effekte auf der Einnahmenseite durch den Rückgang der Beschäftigung und Kurzarbeit zeigen sich ebenfalls erst später, werden aber sicher eintreten. Das BMG geht von Mindereinnahmen in Höhe von vier bis fünf Milliarden aus. Das würde auch in 2021 weitere Bundeszuschüsse bewirken, wenn das politische Bekenntnis tragen sollte, dass die Sozialabgaben nicht über die 40 Prozent-Grenze steigen dürfen. Auch der Gesundheitsfonds verzeichnet ein Defizit von 3,2 Milliarden Euro, nachdem er zum 15. Januar noch über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 10,2 Milliarden Euro verfügt hatte.

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