DGIM: Erkenntnisse aus Bewältigung der SARS-CoV-2 Pandemie

06.07.2020, Dr. Monika Sinha, Welt der Krankenversicherung
Krankenversicherung, Coronavirus, Heilberufe

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat ihre Erkenntnisse aus den ersten Monaten der Behandlung von Patient*innen mit SARS-CoV-2 Erkrankungen für das deutsche Gesundheitssystem in einer Online-Pressekonferenz Anfang Juli vorgestellt:

  • Bis zum heutigen Tage (unter Vorbehalt einer möglichen zweiten Corona Welle) hätten die Behandlungskapazitäten in den Kliniken, insbesondere die notwendigen Isolationsstationen, Beatmungsplätze und Intensivbetten für die Anzahl der schwer erkrankten COVID-19 Patienten ausgereicht. 
  • Aufschiebbare Eingriffe wären vorübergehend zurückgestellt worden, daraus resultierte eine höhere Verfügbarkeit von Bettenkapazitäten.
  • Idealerweise müsste aber für zukünftige Infektionswellen die umfassende Versorgung der Bevölkerung weitgehend unberührt bleiben, stellt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM, heraus.
  • Von besonderer Wichtigkeit sei die Expertise der Infektiologen und Internistischen Intensivmediziner bei der Behandlung von SARS – CoV-2 Patient*innen. Beim Facharzt für Infektiologie hätte Deutschland im Vergleich mit anderen westlichen Staaten einen Nachbedarf, da in Deutschland bislang keine Weiterbildung auf Facharztniveau existiere. Dies hätte negative Effekte bei der Behandlung der Patienten mit Infektionskrankheiten, in der Ausbildung von Ärzten und in der medizinischen Wissenschaft, erklärt Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg. Eine besser qualifizierte Weiterbildung für sehr komplexe Infektionen wird daher gefordert wie z.B. bei opportunistischen Infektionen, bei transplantierten oder anders immunkompromittierten Patienten, in Antibiotic-Stewardship Programmen und bei Infektionen, deren Behandlung Fachkenntnisse vieler Spezialisten bedürfen. 
  • Mehr als 15 Prozent der in Kliniken behandelten SARS-CoV-2 Patient*innen werden auf der Intensivstation behandelt. Schwere COVID-19 Patientenverläufe sind bei älteren Patienten zu finden, bei denen mehrere Organe betroffen sind, erläutert Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie und kommissarischer Vizepräsident und Präsidiumsmitglied für das Ressort Krankenversorgung der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Sterblichkeit beatmeter Patienten ist hoch, abhängig von Alter und Co-Morbidität. Hier ist das breite Wissen von Internisten und gleichzeitig die langjährige Erfahrung in der Behandlung von multimorbiden Patienten von außerordentlicher Bedeutung. Auf die in Kürze erscheinenden Ergebnisse von über 9.500 Patienten mit SARS-CoV-2 Erkrankungen aus über 900 deutschen Kliniken macht Prof. Dr. med. Tobias Welte aufmerksam, siehe Karagiannidis C et al. (submitted): Case characteristics, resource utilisation and outcomes of more than 9 500 hospitalised COVID-19 patients discharged from nearly 900 German hospitals. Ferner verweist er auch auf die Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit COVID-19 von Stefan Kluge, Uwe Janssens, Tobias Welte, Steffen Weber-Carstens, Gernot Marx, Christian Karagiannidis, Med.Klin.Intensivmed Notfmed, 2020 Apr; 115 (3):175-177. Besonderes Augenmerk sei auch auf die Langzeitkomplikationen nach überstandener SARS-CoV-2 Erkrankung zu richten. Viele Patienten litten unter Fatigue, Belastungsintoleranz und neuropsychologischen Auffälligkeiten, wie Albträume und Vergesslichkeit. Hier seien besondere Rehabilitationsprogramme und Follow-Ups angezeigt.
  • Auf die Frage, ob Telekonsile/-visiten in der Infektiologie einen unterstützenden Beitrag für die Versorgung bei vorhandenem Defizit an infektiologischer Expertise in der Fläche leisten könnten, hält Herr Prof. Salzberger Telekonsile/-visiten für eine sinnvolle Methode. Allerdings sei Telemedizin besser einsetzbar bei der Beurteilung von Röntgenaufnahmen. Im Wesentlichen gehe es bei infektiologischen Fällen um eine direkte Beobachtung und direkte medizinische Behandlung des Patienten. Hierzu unterstreicht Prof. Welte, dass in Zeiten von Betretungsverboten und Einschränkungen des Ambulanzbetriebs, die Telemedizin eine hilfreiche Ergänzung zum Arzt-Patienten Kontakt sein könne. Jedoch sei die Bezahlung für 30 Minuten Telekonsil vollkommen inadäquat, Telemedizin sei auch Expertenmedizin und entsprechend angemessen zu vergüten.

Anzeige