Konzeptpapier zur Bewältigung der COVID-19-Krise veröffentlicht

15.07.2020, medhochzwei
Psychotherapie, Coronavirus, Politik & Wirtschaft

Die Ausbreitung von COVID-19 Infektionen konnte in Deutschland durch drastische Maßnahmen rasch eingedämmt werden. Seitdem trete in der gesellschaftlichen Debatte die Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen in den Vordergrund. Es drohe ein Stimmungswandel in der Bevölkerung, der den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die aktive Mitarbeit der Bevölkerung an den weiterhin erforderlichen Maßnahmen zur Krisenbewältigung gefährde, warnen vier Verbände aus Psychotherapie und Psychologie.

Gemeinsam haben sich der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in einem Konzeptpapier zu den psychologischen Herausforderungen, Zielen und Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie geäußert. Zu den Kernthemen Stimmungswandel, Schutzverhalten, psychische Folgen, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Notwendigkeit einer repräsentativen Datengrundlage benennen die vier Trägerorganisationen des Deutschen Psychologie Preises zentrale Herausforderungen und empfehlen konkrete Maßnahmen.

Unter anderem weisen die Organisationen in dem Papier darauf hin, dass die Unsicherheit, die mit der COVID-19-Pandemie einhergehe, auch einen fruchtbaren Boden für potentiell schädliche Verschwörungserzählungen schaffe. Wer diesen anhänge, finde die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eher übertrieben, ärgere sich stärker darüber und zeige auch deutlich weniger Schutzverhalten. Die psychologische Forschung zeige, dass Menschen anfälliger für Verschwörungsmythen würden, wenn wichtige Bedürfnisse unerfüllt seien. Im Kontext von COVID-19 sei die Befriedigung der Bedürfnisse nach Sinn, Sicherheit und Sozialem von besonderer Bedeutung, denn Menschen würden nach Erklärungen für wichtige Ereignisse suchen. Bei mangelndem Wissen könnten sie stärker zu Verschwörungsmythen neigen, in denen vermeintlich einfache Erklärungen durch die Machenschaften mächtiger Akteure plausibel erscheinen würden. Die kontinuierliche Suche nach bestätigenden Informationen könne dauerhaft negative Emotionen auslösen, warnen die Gesellschaften. Der Umgang mit Verschwörungserzählungen berge potenzielle politische Herausforderungen und erfordere besonderen Interventionsbedarf, so das Fazit zum Thema. Das Papier steht hier zur Verfügung (Pdf-Datei).

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